Geschichten aus dem Exil
Nach 42 Produktionen mit 275 Aufführungen an 21 Orten, 125.000 verkauften Eintrittskarten und einer Auslastung von 94 Prozent, so die Bilanz des Festivals, knüpft das Leitungsduo Hortense Archambault und Vincent Baudriller quantitativ an die Vorjahreserfolge an. Qualitativ stellt sich die Frage, wie sinnvoll es ist, fast lückenlos den weltweiten Festivalmainstream in Form von (koproduzierten) Großproduktionen nach Avignon einzuladen und dabei den (französischen) Nachwuchs oder unbekanntere internationale Künstler aus den Augen zu verlieren.
Risiken vermeidend, setzt das international bestens vernetzte Festival auf ein überdimensioniertes Programm, das durch Events von außen künstlich belebt wird und experimentellere Kunstformen nachhaltig verdrängt. Entsprechend enttäuschten dieses Jahr vor allem die Eigenproduktionen, Überraschungen oder Neuentdeckungen blieben aus.
Andererseits bemüht Avignon sich im Vergleich zur schnelllebigen Festivalpraxis durchaus um Kontinuität und versucht, internationale Künstler wie Jan Lauwers, Krzysztof Warlikowski, Pippo Delbono oder Stefan Kaegi durch mehrfache Einladungen längerfristig zu binden, insbesondere als «artistes associés» (u.a. Thomas ...
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