Debatte: Mehr Edelmut!
Hippiekitsch!» – «Petit Bourgeois!»: Das war so die Munition, die sich die Kontrahenten auf dem Höhepunkt der von Patrick Wildermann moderierten Diskussion an die heiß geredeten Köpfe knallten. Als Letzterer wurde der Kunsthistoriker und Co-Kurator der HAU-Veranstaltungsreihe «Phantasma und Politik» Helmut Draxler belächelt, der in seinem Eröffnungsvortrag differenziert die Debatte umrissen hatte: «Das Recht der Kunst» ist im Deutschen doppeldeutig, bezieht sich gleichermaßen auf Möglichkeiten (im Sinne von Ermächtigung) wie Limitierungen (im Sinne von Gesetz).
Politische Aktionskunst, überhaupt über den Kunstrahmen hinaus in die Realität eingreifende Kunstformen, haben in letzter Zeit wieder besondere Konjunktur. In der laufenden Spielzeit erregte vor allem der den Ausschluss von Flüchtlingen anprangernde «Europäische Mauerfall» des Zentrums für politische Schönheit» pralle Medien-Aufmerksamkeit; Protagonist Philipp Ruch saß mit auf dem Podium. Oder auch Dries Verhoevens vorzeitig abgesetzte, privatsphärenüberschreitende Datingportal-Performance «Wanna play», nachdem sie die Berliner queere Szene in Aufregung versetzt hatte. Anfang des Jahres hatte zudem der niederländische ...
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Theater heute April 2015
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Eva Behrendt
Es gibt diese alten mechanischen Wecker, bei denen ein Hämmerchen zwischen zwei Klingeln hin- und herschlägt: unvorstellbar laut, unvorstellbar nervtötend. Man schläft unruhig, einerseits wachgehalten vom lauten Ticken, andererseits schon am Abend in Angst vor dem Geschepper, das einen am nächsten Morgen aus wirren Träumen reißen wird. Solch ein Wecker ertönt...
Es fällt schwer, nicht bei allem, was das Volkstheater Rostock derzeit produziert, sogleich den beklemmenden Doppelsinn zu vernehmen. Das war schon so beim Spielzeitauftakt im September 2014 mit Wilhelm Dieter Sieberts Mitmach-Oper «Untergang der Titanic», die mit ChoristInnen in Totenkopfmasken eine weitere Saison Existenzkampf in kulturpolitisch schwerer See...
Eigentlich ist das ein unverfänglicher Ort: ein Pub am Ende der Straße, wo man ein wenig rumhängt am Feierabend, ein, zwei dunkle Bier trinkt, redet, Fußball schaut. Und es sieht auch so aus, als würde dieser Tag friedlich und ereignislos ausklingen: Jimmy kommt, bestellt und fachsimpelt mit Wirt Robert über ein Match. Doch Jimmy ist nervös, er wartet auf jemanden....
