Kein Platz an der Sonne
Rechts ist Preußen. Links liegen die Vereinigten Staaten von Amerika. Dazwischen zieht sich ein schmales Bühnenfeld für den Atlantischen Ozean, über den ein hölzernes Boot – gewiss nicht stabiler als die Seelenverkäufer, die afrikanische Flüchtlinge an Europas Küsten spülen – die deutsche Auswandererfamilie Mentis ins Gelobte Land schifft. Aber Miss Liberty leuchtet ihnen nicht. So wenig wie dieser Auftragsproduktion das Glück hold ist.
Die Idee dazu entstand, als der Regisseur Richard Maxwell bei der Bonner Biennale 2004, die sich unter Klaus Weises Intendanz in ihrer Neuausrichtung als erstes dem Theaterbrennpunkt New York widmete, zu einem Gastspiel mit seinen «New York City Players» geladen war.
Die sich dabei in Bonn naturgemäß einstellende kulturelle Fremdheit sollte zu einem Thema von «The Frame» werden, dessen Titel in der Übersetzung zwischen Rahmen, Ordnung, System und Verfassung oszilliert. «Ich glaube, eine Menge geht durch die Übersetzung verloren», sagt eine der Figuren der amerikanischen Seite, der deutschstämmige Rainer Putzbaum (Peter Nitzsche). Verstehen wir einander, wenn wir miteinander sprechen?
Das Ensemble aus deutschen und amerikanischen Schauspielern ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es wundert einen, dass die Leute immer noch ins Theater gehen, nach allem, was sie in der Schule durchgemacht haben.
Orson Welles
Finde ich mich in einem Theaterfoyer umringt von Menschen, die meine Kinder sein könnten, es gottlob nicht sind – hätte mein Kind auch so eine Plastikumhängetasche und würde sich unique fühlen? –, dann läuft etwas falsch. Ein Theater,...
Es war das eleganteste Fragezeichen der vergangenen Saison, Händl Klaus’ «Dunkel lockende Welt» (abgedruckt in TH 03/06). Corinna übergibt ihrem Vermieter Joachim Hufschmid die Wohnung, um nach Peru zu gehen. Der findet einen kleinen Zeh, welcher dann von Corinnas Mutter Mechtild irgendwie zurückgeholt werden soll. Für einen Krimi fehlt die handfeste Tat, dafür...
Die Frau in Schaftstiefeln und Seidenkleid, die etwas unbeholfen über die Ponywiese stapft, ist nicht aus dieser Gegend. Trotzdem kennt hier in der Ostprignitz jeder Dorfbewohner ihr Gesicht: Bis vor ein paar Jahren machte Bärbel Schäfer eine der erfolgreichsten Nachmittagstalkshows des deutschen Fernsehens. Nichts Irdisches war ihr und ihren Talkgästen fremd; vor...
