Zwischenreich
Eine dem Autor beruflich lange verbundene Grafikerin seufzte einmal: «Warum eigentlich dürfen bei Publikationen zum zeitgenössischen Tanz nie Tanzfotos verwendet werden?» Ihre Kümmernis bezog sich auf den damaligen Trend, alle möglichen Bewegungsphänomene zu zeigen, nicht aber choreografische Szenen auf der Bühne. Die Abneigung gegen Tanz-Illustrationen mag sich inzwischen wieder abgeschwächt haben; das Unbehagen aber bleibt.
Bloß nicht den Tanz festlegen auf eine bestimmte Erscheinungsform, auf keinen Fall den bewegten Körper feiern, niemals das Theatralische in den Vordergrund rücken.
Aber was eigentlich? Viel leichter ist es, das «nicht» zu benennen – alles das, was dem Tanz nicht zukommt: keine bestimmte Technik, keine bestimmte Ästhetik, nichts Endgültiges. Er entsteht immer neu in der Praxis, reagiert dabei auf die Bedingungen seiner Gegenwart und fürchtet daher die Geschichte als das, was schon war und nicht mehr abgeändert werden kann. Das mag zum Wesen der Kunstform passen, die immer in Bewegung sein muss und daher ständiger Veränderung unterliegt. Aber müsste man das nicht auch positiv formulieren können? Im Sinne eines «Ja» statt des ewigen «Nein» oder «Vielleicht»?
Im ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Ästhetik: Ins Offene, Seite 92
von Franz Anton Cramer
Nach einer «Swan Lake»-Vorstellung in Pittsburgh/Pennsylvania trat ein verstimmter Zuschauer an Dada Masilo heran und machte seinem Ärger darüber Luft, dass ihre Interpreta-tion die traditionelle Lesart des Ballettklassikers verunstaltet habe. Masilo reagierte verdutzt. «Hat der Herr sich denn vorher nicht das Plakat angeschaut? Die Tänzerinnen und Tänzer tragen...
Grenzgänger. Zum Beispiel Yaguine Koita und Fodé Tounkara, 14 und 15 Jahre alt, geboren in Guinea, im Sommer 1999 umgekommen bei dem Versuch, als blinde Passagiere im Fahrwerk eines Flugzeugs nach Europa zu gelangen. Bei sich hatten die beiden Jungen aus Conakry einen handgeschriebenen Brief an «Exzellenzen, geehrte Damen und Herren, Verantwortliche von Europa»....
Herumtreibende Eisschollen, tosende Wasserfälle, schäumende Wellen. Vor der Videoprojektion des Stücks «Unterwegs» der isländischen Choreografin Katrín Hall kämpft Duncan C. Schultz, der Tänzer, gegen den Sturm, den ihm ein mannshoher Ventilator entgegenbläst. Als Gasttänzer am Pfalztheater Kaiserslautern fasziniert er und bringt im wahrsten Sinn des Wortes...
