Wuppertal
Das Theater braucht eine Struktur. Die sieht heute so aus: Entweder man arbeitet in der freien Szene, hangelt sich von Projekt zu Projekt, von Antrag zu Antrag, von Residenz zu Residenz, von Gastspiel zu Gastspiel, immer unsicher, immer unterbezahlt, immer anpassungsbereit. Oder man fügt sich in das System eines Stadttheaters. Auch dort gibt es Freiheiten, Möglichkeiten, Ressourcen, Zuschauer, aber eben auch Zwänge wie den Auftrag der Stadt, der Region, Faktoren wie die Auslastung, die Abonnentenzahl, extrem lange Vorläufe – alles in allem wenig Flexibilität.
Entweder. Oder. Manchmal habe ich mich in die Bildende Kunst gewünscht, gewünscht, dass ich keine Struktur brauche, sondern einfach mein Ding mache, damit am Ende ein Kunstwerk für sich steht, das ich nicht jedes Mal «wiederbeleben» muss, damit es seine Wirkung entfaltet. Aber allein arbeiten möchte ich nicht. Gerade der Akt des «Belebens», das direkt Lebende, der Körper, das ist mein Motor. Klar wäre es verlockend, einfach mein Werk zu verkaufen und zu überlegen, was ich als Nächstes mache. Aber diese Überlegung folgt brutal dem Markt, treibt die Kunst zum Markt, zum Kapital, zum Besitz der Reichen. Kunst als Objekt der ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Raum für Visionen, Seite 98
von Ben J. Riepe
Es ist die Eigenheit der Kunst, sich zu entwickeln, zu erneuern und immer wieder selbst infrage zu stellen. Auch der Tanz folgt dieser Regel, ja er schreibt sogar an seiner eigenen Geschichte und befragt gleichzeitig seine Formen. Was mich heute am meisten überrascht, ist nicht so sehr die Entwicklung des Tanzes als vielmehr die grundstürzende Umwälzung, die...
Wie hältst du’s mit der künstlerischen Freiheit? Gute Frage in aufgeheizten Zeiten. Ist ein Tanzstück politisch genug, um gesellschaftlich relevant zu sein? Wieder eine heiße Frage, eine Wiedergeburt aus den 1970ern. Nur: Heute scheint alles noch komplizierter, als es vor vierzig Jahren ohnehin schon war. Das vor zehn Jahren gegründete, junge italienische Kollektiv...
Still und leise, sanft und diskret hat er sich in die internationale Szene vorgearbeitet. Überraschende Eigenschaften, besonders wenn man sich anschaut, was der Portugiese Jahrgang 1986 so auf der Bühne anstellt. Sein Stück «Brother» (2017) beispielsweise kann man auf zwei Ebenen lesen: einmal, oberflächlich und spontan betrachtet, als Patchwork mit Bezügen, die...
