würzburg: anna vita «der besuch der alten dame»
«Es gibt keine Schwägerinnen im Ballett», lautet Balanchines berühmtes Diktum, wie will Ballett dann die Käuflichkeit von Moral darstellen? Friedrich Dürrenmatts Tragikomödie scheint vollkommen auf der Sprache zu beruhen: Mit der Aussicht auf Reichtum treibt die Millionärin Claire Zachanassian die braven Bürger ihres Heimatdorfs Güllen zum Mord an ihrem verräterischen Exgeliebten.
Auf einer winzigen Bühne macht die Würzburger Ballettdirektorin Anna Vita ein stringent erzähltes, bilderstarkes Kammerspiel daraus, bindet organisch Film, Sprache, Elemente von Groteske und Ausdruckstanz in ihren modernen Ballettstil ein.
Als Erstes rauscht der ICE quer durchs Theater – prägnant zeigen kurze Filmprojektionen auf den kubistisch angehauchten Wänden und Paneelen die Situation der Güllener und in einer Rückblende auch die Vorgeschichte, den fatalen Verrat. Die Bürger sind nicht wirklich arm, nur geltungsbedürftig; dem Jil-Sander-Beige ihrer Gutmenschen-Kleidung flammt das grelle Pink der Besucherin als modischer Aufschrei der Empörung entgegen (Kostüme: Kristopher Kempf). Mit asiatisch-höflicher Effektivität bringen zwei püppchenhafte Helferinnen der alten Dame den Dorfbewohnern das ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Februar 2013
Rubrik: kalender, Seite 46
von Angela Reinhardt
wettbewerb
oleksi bessmertni
Das ist der Gipfel, und deshalb muss der «Tanzolymp» einmal im Leben erstiegen sein. Oleksi Bessmertni, selbst einmal Tänzer, hat ihn sich vor zehn Jahren einfallen lassen: einen Wettbewerb, der für ihn deshalb Festivalcharakter besitzt, weil er in so vielen Altersgruppen und Kategorien – Klassik, Neoklassik, Modern, Folk und Jazz –...
Louise Lecavalier,
Sie haben Ihr neues Werk «So Blue» genannt – sind Sie bekennende Melancholikerin? Ich fühle mich weiß, schwarz, gelb, rot, aber… eigentlich – I feel so blue! Für mich ist die Seele blau, ihre Helligkeit und Tiefe. Sie verwandelt sich kontinuierlich, durchlebt Stadien zwischen Leben und Tod. Ich bin leicht und glücklich, dunkel und ängstlich,...
abschied:
stella mann
Mit Laban hatte ich nie was am Hut, meinte Stella Mann sinngemäß, als ich sie 2004 fragte, ob sie als Zeitzeugin an einer Diskussion über die historische Situation des Ausdruckstanzes in Wien teilnehmen würde. Nur zögerlich sagte sie zu. Sie war vor den Nazis nach London geflüchtet. Modernen Tanz gab es dort keinen; nur Sigurd Leeders Schule...
