wem der takt schlägt
Takt ist eine lebendige Struktur, er pulsiert regelmäßig, so wie die Herzschläge, aber eben nicht völlig gleichförmig. Genauso wenig wie der Rhythmus, der den Takt erst interessant macht, weil er von ihm abweicht. Über den legt sich wiederum die Melodie, großbögig ausgeformt oder kleinteilig, nur als Motiv oder Tonfolgenpartikel erkennbar. Auch sie geht mit den anderen Parametern eine komplexe Beziehung ein, wird erst durch Anpassungen und Abweichungen besonders – zumal sie sich in der Lautstärke und Geschwindigkeit ändern kann, in ihrer Instrumentierung, in der Tonart.
Dieses immer wieder neu und immer wieder unendlich anders verflochtene Gebilde nennen wir Musik. Es langweilt uns auch nicht nach x-fachen Wiederholungen, weil es lebt, live und jetzt. Weil es direkt vor uns von Menschen gespielt wird, die fehlbar sind. Gerade die Abweichungen von der vorgeblichen Norm ziehen uns immer wieder an. Sind sie bewusst und gekonnt ausgeführt, nennen wir sie Interpretation, die mal mehr, mal weniger sinnreich ausfällt.
Echter Orchesterklang
Im Tanz ist das ähnlich. «Live» heißt «lebendig». Wenn Bewegung von Musik untermalt wird, dann gehen beide Ausdrucksformen eine sehr besondere ...
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Tanz August/September 2013
Rubrik: musik, Seite 96
von Manuel Brug
Der Background ist beängstigend. Noch bevor das eigentliche Stück beginnt, spielt Christoph Winkler einen Soundtrack des Schreckens, der einen schon das Fürchten lehren kann, eine dumpfe Geräuschpalette, die auf eine Demonstration hindeutet, ein ohrenbetäubendes Trillerpfeifenkonzert, vereinzelte Sieg-Heil-Rufe, die das hörbare Ereignis ganz offensichtlich der...
Ein Schmerz, der sich dosieren lässt. Man atmet tief in ihn hinein, atmet gegen den Widerstand an, gibt sich dem Konflikt hin zwischen gewollter Grenzerweiterung und instinktiver Grenzwahrung. Geist gegen Körper. Der Machtkampf wird nirgends so ehrfurchtsvoll zelebriert wie beim Stretching. Bis zum perfekten Spagat, wenn die Scham den Boden küsst – das...
Richard Wagner war sicherlich der ausgebuffteste Verführer in Sachen Ekstase. Ethnische und urbane Tanzmusikkulturen können es allerdings diesbezüglich durchaus mit ihm aufnehmen. Lässt sich dieses ausdifferenzierte und praxiserprobte Wissen um die Entrückung nicht in eine Neuinterpretation von Wagners Werk einbeziehen? Die folgenden Gedanken sind als utopische...
