Wayn Traub: «Maria Magdalena»

Belgien

Tanz - Logo

Alchimisten haben es heute leichter als im Mittelalter. Es reicht, ein mysteriöses Pulver in eine Messingschale zu schütten, einen Sturm aus Videobildern zu entfachen, einen orangen Kopfputz zu tragen und verwirrende Geschichten zu erzählen, die sich nach und nach ineinander auflösen. So ein Alchimist wird zum funkelnden Alien, zum schillernden Cocktail aus Zeremonienmeister, Conférencier, Prediger, Journalist und Schamane.

Und selbst wenn so etwas außer Wayn Traub niemand anderem gelänge, wäre allein die Existenz dieses teuflisch Besessenen aus Antwerpen der Beweis, dass Mineralien, Ozeane, Hexen und andere Geister auf einer Bühne weder Soldaten fürchten noch chinesische Shopping Malls, weder Wolkenkratzer noch käuflichen Sex, weder die Trennung der Hemisphären unseres Gehirns noch die Erotik einer Maria Magdalena, wenn sie, als Nonne verkleidet, sich im Tanz der Salome vervielfacht. 

 

Pech ist, dass sie dabei ihren rechten Fuß in einem belgischen Kloster vergaß. Das Gemäuer wird ihrem Fluch nicht entkommen und von Immobilienhaien heimgesucht. Wie war das mit den weiblichen Fußabdrücken in der «Grotte des sorcières», in der ein Messer spukt, das unwiderstehlich eine maritime ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2009
Rubrik: Kalender, Seite 42
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Geld macht faul

Ist der professionelle Tanz eher mit einem Ehrenamt zu vergleichen, ist er tatsächlich professionell? Oder warum wird er so schlecht bezahlt?

 

Neulich konnte man in der Süddeutschen Zeitung einen bemerkenswerten Beitrag mit der Überschrift «Geld macht faul» lesen. Darin stand, dass Kinder, denen man für das erfolgreiche Lösen eines Puzzlespiels eine Belohnung...

Israel Galván: «El final de este estado de cosas, redux»

Er ist ein Star am Flamencohimmel: Israel Galván, Mitte dreißig, Sohn eines Tänzerpaars aus Sevilla, ein brillanter Techniker, ein Genie des Zapateado, und ein begnadeter Wanderer zwischen zwei Welten, dem populären, rituellen Tanz der spanischen Tablaos und seinen ausgeklügelten Auftritten auf europäischen Tanzbühnen. Ein betörender Tänzer, der zeitgenössische...

Mauro Bigonzetti: «Certe notti»

So lautet der Titel eines berühmten Songs des italienischen Popbarden Luciano Ligabue, der in Reggio Emilia sozusagen Tür an Tür mit Mauro Bigonzetti lebt, dem Residenzchoreografen von Aterballetto. Ligabue hatte zuletzt einen Film gedreht, «Radiofreccia», der inspiriert war von der goldenen Zeit des freien Radios in der Region Bassa Padana. Fünf Freunde finden...