Was bleibt
Einst sah ich Dore Hoyer wie einen dunklen Vogel, schräg vorwärts geneigt, durch den Berliner Tiergarten eilen. Als «letzte Fahnenträgerin des Ausdruckstanzes», wie sie sich selbst nannte, strebte sie einsam, in sich gekehrt, der neuen Akademie der Künste (AdK) am Hanseatenweg entgegen. Mit der Studiobühne und den Künstlerwohnungen war der aparte Flachbau mit den begrünten Innenoasen sporadisch Fluchtort der Tänzerin, die zwischen ihrer deutschen Heimat und Argentinien hin- und herpendelte. Oft auf vergeblicher Suche nach Arbeitsmöglichkeiten und Unterstützung.
1960 von Werner Düttmann erbaut, wurde die AdK zum Diamant des neuen, zur Interbau 1957 entstandenen Hansaviertels und zur Pilgerstätte meiner Generation, die hier nach und nach lernte, wie Wandel und Vielfalt im Tanz schmeckt. Dass nun in besagter AdK gleich drei Reenactments von Dore Hoyers letztem großen Tanz-Zyklus «Afectos Humanos» zu sehen sein werden (von Renate Graziadei, Nils Freyer und Pol Pi wiederbelebt), verknüpft das Heute mit dem Gestern auf faszinierende Weise – an einem Ort, der für die Entwicklung des zeitgenössischen Tanzes und die Neudefinition von Körperbildern enorme Wichtigkeit hat.
«Was der Körper ...
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Tanz August/September 2019
Rubrik: Traditionen, Seite 52
von Irene Sieben
Hellerau: Appia Stage Reloaded
Das Festspielhaus Hellerau öffnet nicht nur am Tag des offenen Denkmals seine Pforten. Am 8. September kann man dort auch auf der (2017 unter dem Ex-Leiter Dieter Jaenicke) rekonstruierten Bühne Adolphe Appias eine «Blaue Stunde» erleben, bevor Cindy Hammer, Joseph Hernandez, Johanna Roggan und Anna Till mit «tension, break, pattern,...
So dunkel und düster war ein Ballett noch nie. Ganz in Schwarz gekleidet hat Jürgen Rose das Vorspiel, das in Wirklichkeit eine Rückblende ist. Während dichte Nebelschwaden über den Friedhof von Heiligenkreuz ziehen, wird in aller Eile und ohne jede Würde Mary Vetsera zu Grabe getragen. Ein einziges Gebet des Priesters, ein flüchtiges Beileid im Vorübergehen – und...
Wer kennt schon Václav Reisinger? Im Zusammenhang mit seiner «Schwanensee»-Einstudierung tut das Prager Nationaltheater deshalb gut daran, im Programmheft wie auch mit einer Ausstellung an den tschechischen Choreografen zu erinnern. Schließlich war er es, dem der angebliche Misserfolg der Moskauer «Schwanensee»-Uraufführung 1877 angelastet wird: angeblich, weil die...
