Warum Tänzerkongress?

1927 fand der Erste Deutsche Tänzerkongress statt. Es ging um die Emanzipation des Tänzers am Theater. Es ging aber auch um die Befreiung des Tanzes vom Theater.

Tanz - Logo

In den 1920er Jahren hatte sich der moderne künstlerische Tanz als Teil der Lebensreformbewegungen etabliert. Er war zu einer Art Massenbewegung geworden, mit einer Vielzahl von Teilnehmern, deren tanztechnisches Niveau mäßig bis schlecht war. Das öffentlich präsentierte Mittelmaß und auch das Beharren auf «seelischem Ausdruck» im Tanz ohne ausreichende persönliche Ausstrahlung rief nicht nur den Unmut selbst wohlwollender Tanzkritiker hervor, sondern empörte auch die gutgeschulten Tänzerkollegen.

Die Qualitätsfrage ging um in einer Zeit großer sozialer Depression. Eine Vielzahl von Tänzern war arbeitslos und konnte sich von ihren geringen Einnahmen nicht ernähren. Die Tänzer, die ihre modernen Programme solistisch aufführen wollten, mussten ihre Aufführungen in jeder Hinsicht selbst organisieren und bezahlen. Die Einnahmen aus den Eintrittsgeldern deckten in der Regel kaum die entstandenen Kosten.
Um der sozialen Notlage der meisten Tänzer abzuhelfen, mit dem Wunsch, diese auch gewerkschaftlich zu organisieren, arrangierte Rudolf von Laban 1927 in Magdeburg den Ersten Deutschen Tänzerkongress. Etwa dreihundert Tänzer kamen zu diesem Ereignis, dessen wichtigstes Ergebnis der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz April 2006
Rubrik: Wissen in Bewegung, Seite 10
von Geertje Andresen

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nora Vesco

Sie waren zwei: Giselle und Nora Vesco, zwei höchst gegensätzliche Tanzschwestern unter Tatjana Gsovsky an der Staatsoper. Giselle wuchs sehr erfolgreich in die «Lindenstraße» des Fernsehens hinüber; Nora, die Schwester, ist nun im Alter von 75 Jahren gestorben. Sie war eine durch und durch ätherische Ballerina, empfindsam, stilsicher, immer ein bisschen kühl, aber...

Body Art

2001. Don DeLillo veröffentlicht in New York seinen Roman «The Body Artist». Es ist die Geschichte der Avantgarde-Künstlerin Lauren Hartke. Zurück­gezogen in einem einsamen Landhaus versucht sie, den Selbstmord ihres Ehemanns zu verwinden. Trotz ihres Bedürfnisses nach Einsamkeit nimmt sie sich eines Obdachlosen mit autistischen Zügen an, der sich im Haus...

"Subtitles"

In der knappen Stunde entwickelt sich eine Beziehung, die ihre sprachliche Begrenztheit überwindet. Christina Ciupke, Choreografin aus Berlin, hat sich noch nie mit einer schieren Selbstverständlichkeit zufrieden gegeben, und der Blick auf den eigenen Körper stellte mehr als die persönliche Wahrnehmung infrage. Auch bei Subtitles, einem choreografischen Dialog mit...