VWickelt

Deborah Colker: «Nó» in Wolfsburg

Tanz - Logo

Deborah Colker schwor sich in Rio, ein Bondage-Ballett zu inszenieren. «Nó» sollte es heißen, brasilianisch für Knoten. Dieselbe Musik, anders abgemischt, aus der sich schon «Ela» vor zwei Jahren an der Komischen Oper Berlin nährte. Unter einem dürren Baumstamm. Nun ist der Baum mächtig gewachsen. 120 Schnüre hängen wie ­Lianen. Aus der Verführszene von einst, Adam und Eva, wird beim Festival Movimentos in der Autostadt Wolfsburg ein Dominastudio für die ganze Familie.


Das penetrationslose Einwickeln einer Frau oder eines Manns, Bondage genannt oder Shibaru, ist klassisches japanisches Kunsthandwerk wie das des Papierfaltens, Origami, oder des Blumensteckens, Ikebana. Hierzulande gilt Bondage eher als die  Fortsetzung der Cow­boy- und Indianerspiele der Kinder, als ein pubertäres Trauma. Japaner sind da anders. Ihr Trauma, wenn es denn eins ist, will Kunst sein. Die oder der Gefesselte tanzt allein durch das Lösen oder Ziehen von Stricken und Knoten. Die kunstvoll Vertäute rotiert wie eine Aufziehpuppe. Kippt um die eigene Achse mit hilfloser Grazie.
Bei Colker ist die schöne Frau kein Opfer. Nicht wehrlos. Tatkräftig hilft sie mit beim Kletterspiel im Seil. Colker deutet zwar an, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2005
Rubrik: On Stage, Seite 42
von Arnd Wesemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rhythm is it!

Die DVD des Erfolgsfilms lässt noch auf sich warten. Aber wenigstens ist der Soundtrack von «Rhythm Is It! You Can Change Your Life In A Dance Class», wie die Doku von Thomas Grobe und Enrique Sánchez Lansch komplett heißt, schon zu haben – und noch viel mehr. Denn Simon Rattle hat Stra­winskys «Sacre», der im Film nur in Ansätzen zu hören ist, für die CD komplett...

Aladdin in the Cave

The Dance Museum in Stockholm is hosting Navigation, seven sensory installations by the choreographer and researcher Åsa Unander-Scharin. The process leading up to “Navigation” started in 1993 when Unander-Scharin got to know about Motographicon, a programming system created by Peter Rajka and Manus Lundin at Royal Institute of Technology in Stockholm. Since she...

Mein Körper, dein Körper

Am liebsten, sagt Royston Maldoom, sind ihm die kleinen Projekte. Die Arbeit mitten im Bruderkrieg in Bosnien, am Ende der Apartheid in Südafrika, im Dauerkonflikt zwischen Katholiken und Protes­tanten in Nordirland, die Arbeit mit Gefängnis-Insassen, Straßenkindern und, immer wieder, ­Jugendlichen aus allen Teilen der Welt. Maldoom begründete in den frühen 1980er...