Vorschau
im mai: helena waldmann_________
Sie hat einen Riecher für brisante Themen: Ob Burka-Verschleierung, Demenz oder die absurden Glücksrituale des Mitteleuropäers – wann immer die Choreografin Helena Waldmann auf ein neues Stück zusteuert, schiebt sie kulturell zementierte Wahrnehmungen zur Seite, um bis dato Verborgenes ans Licht zu befördern.
Mit «Made in Bangladesh» beleuchtet sie jetzt nicht nur die ausbeuterische Schattenseite des Billigkonsums, sondern zieht eine Tangente zum Tanz – als Minilohnsektor mit gesundheitlichen Maximalnebenwirkungen und knallhartem Wettbewerb.
im juni: mats ek_______
Die Elogen stapelten sich nur so, als Mats Ek 2013 nach zwei Jahrzehnten Erzählabstinenz wieder einen Klassiker ins Visier nahm, um ihn gründlich durchzuschütteln. «Julia & Romeo» (tanz 8-9/13) heißt seine Shakespeare-Variation, die mit der Vorlage in bewährter Ek-Manier verfährt und fortführt, was der Schwede seit den 1980er-Jahren sporadisch ins Werk setzte: die expressive und psychologisch verdichtete Relektüre von Inkunabeln des Repertoires wie «Giselle», «Dornröschen» oder «Schwanensee». In Düsseldorf hat der so eigenwillige wie einflussreiche Choreograf eben «Rättika» zum ersten ...
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Tanz April 2015
Rubrik: Impressum, Seite 80
von
Man beginne mit einem Erdbeben und stei-gere sich dann stetig. Alte Hollywood-Regel. Vielleicht funktioniert auch das Gegenteil: Man schweigt fein still, stapelt tief – um irgendwann furios und für alle überraschend durchzustarten. Doch bei Nacho Duato, der seit 1. September 2014 dem Staatsballett Berlin vorsteht, ist weder die eine noch die andere Strategie...
Auf dem Weg der «Entwicklung zu einer sozialistischen Persönlichkeit» kommt dem 18-jährigen Frank (auf dem Foto: Gordon Kämmerer © Edition Senator) an einem ganz gewöhnlichen Dienstag des Jahres 1985 ein Auftritt von Mr. Robot im Westfernsehen in die Quere. Und nicht nur das: Weil in der DDR gerade der Bronx-Film «Beat Street» weiteres Anschauungsmaterial liefert,...
Sie hätten sich begegnen können. Charlotte Salomon wurde am 10. Oktober 1943 ins KZ Auschwitz eingeliefert. Zur gleichen Zeit wird Roosje Glaser zum Dienst an den Gasöfen eingeteilt. Schon zuvor als Jüdin mit der Nr. 62472 gebrandmarkt, soll sie Häftlinge beruhigen, wenn es zum «Duschen» geht: eine Tätigkeit, die sie nur deshalb verkraften kann, weil sie sich von...
