Von wegen exklusiv
Wie leicht, wie oft entfährt sie uns, die Rede vom Besonderen, Herausgehobenen, Unvergleichlichen. Diese hochgejazzte Floskelsprache der Superlative, die, wenn nicht das Beste, Schönste, Wahrhafteste, so mindestens das Unterhaltsamste, Köstlichste, Abgefahrenste verheißt. Wie der Abend- und Morgenstern vom grauen Firmament soll sich das glitzernde Lametta eines Jargons abheben, dem es vor allem um eines geht: Sichtbarkeit herzustellen, Leuchtsignale zu setzen im unermesslich anschwellenden Strom der Bilder und Zeichen.
Allein, wenn Sinn und Bedeutung der Wörter nurmehr am Goldlack haften, der sie überzieht, verlieren sie ihre distinktive Kraft – und mit ihr die Fähigkeit, präzise eben jene eine Sache zu bezeichnen, die uns zu verführen, zu überraschen, in Bann zu schlagen verspricht wie sonst kaum etwas.
Festspiele zum Beispiel. Der Boom der Festivalkultur hat viel mit dem Bedürfnis nach Außergewöhnlichem zu tun, nach gemeinsamer Erfahrung, die dem Alltag mit seinen Zwängen und Routinen, den Zumutungen des verwalteten Lebens enthoben ist. Foren der Anschauung, des Feierns, der Kontemplation waren sie bereits im alten Ägypten und im antiken Griechenland. Was damals als kultische ...
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Tanz Juli 2019
Rubrik: Ideen, Seite 46
von Albrecht Thiemann
Zwei Dutzend Schul-Zwergerl, vielleicht sieben, acht Jahre alt, drängeln sich vor der weißen Flügeltür im Parterre des Wiener Theatermuseums. Draußen lässt der bleigraue Himmel eine Träne nach der anderen aufs Trottoir platschen, ein riesiger Menschenstrom wälzt sich durch die Stadt – «hörst, den Niki Lauda ham‘s drüben im Stephansdom verabschiedet». Verkündet am...
Bloß kein Handlungsballett. Luca Veggetti choreografiert zwar zu Arnold Schönbergs sinfonischer Dichtung «Pelleas und Melisande», die auf Maurice Maeterlincks symbolistischem Schauspiel basiert. Selbst den Titel «Am Ende unser Schatten» entnimmt er der dramatischen Vorlage, aber die handlungstragende Dreiecksbeziehung ist in die Abstraktion verschoben....
Die Aufregung ist groß. Mütter und Mädchen mit Hoffnung in Auge und Herz warten in den Gängen vor den Ballettstudios der Zürcher Hochschule der Künste. Die Mädchen tragen Nummern auf der Brust, als würden sie zu einem Wettbewerb antanzen. Darunter ein einsamer Junge, einer von 19 Jugendlichen, der wie seine -18 Kolleginnen gerne Tänzer werden möchte. Sie sind an...
