vermessene tänzer
Fotografiert, statistisch erfasst und geografisch lokalisiert, wird der Tänzer bald aufhören, uns ein Rätsel zu sein – gespeichert, gefilmt und ausgestellt in Datenbanken, auf Fotowänden und Landkarten. Auf Letztere ließ Olivier Dubois mehr als 20 jüngere oder ältere Exemplare der Spezies farbige Punkte kleben, um zu erfassen, wo überall Tänzer von Gaëlle Bourges bis Wilfried Romoli schon auf der Bühne standen. Auch dass sie reisen, muss ja mal erfasst werden! Die Punkte auf der Weltkarte werden zur Benchmark. Zwischen die riesigen Karten stellt Dubois eine Leinwand.
Auf der flimmern Interviews: «Warum tanzt du? Was bedeutet das für dich?» «Ich kann nicht ohne Tanz leben.» Etwas empirischer geht da Gabriel Hernandez in seinem «Projet 75» vor. Auch er beklebt die Wände und fragt: «Wie sieht der Tagesablauf eines Tänzers aus?» Er kauft ein, fährt U-Bahn oder geht an Krücken. Hernandez folgt ihm vom Aufstehen bis zum Schlafengehen und schießt alle fünf Minuten ein Bild, knipst ihn bis ins Badezimmer und schaut ihm auf den Teller. Was is(s)t dieser Kerl? Auf dem Stadtplan zeichnet Hernandez alle Wege ein, die am Tag zurückgelegt wurden. Glasnost total.
Noch gründlicher geht Bud ...
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Tanz Mai 2011
Rubrik: medien, Seite 60
von Thomas Hahn
Aus Anlass des allerletzten Gastspiels von «Nearly 902» der Merce Cunningham Dance Company bei den Wiesbadener Maifestspielen im Staatstheater zeigt das Museum Wiesbaden eine Auswahl von 32 Zeichnungen des 2009 verstorbenen Künstlers. Cunningham war eng befreundet mit Jasper Johns und Robert Rauschenberg, der mehrfach die Bühnenbilder entwarf. Auch Cunningham...
Die unbeschwerte Jugend von damals ist in die Metropole gezogen und tanzt paarweise im ballroom des Ritz: Auf den ersten Blick elegant und weltläufig, bekommt Jerome Robbins‘ «In the Night» aber eine melancholische Note, wenn man das kurze Ballett wie ein Nachwort zu seinen «Dances at a Gathering» betrachtet. Sie tanzen zu Musik von Frédéric Chopin, aber zum...
...und sein Hamburg Ballett werden im Sommer eine achtköpfige Juniorkompanie anschieben, die sich der Bund binnen vier Jahren 2,8 Millionen Euro kosten lässt. Sage noch einer, im Tanz gebe es keine cleveren Lobbyarbeiter: «Bundesjugendballett» heißt das Gebilde, das acht Tänzer zwischen 18 und 23 Jahren versammelt, die mit eigenem Repertoire auf Tournee gehen, vor...
