Umsonst & Draussen

Tanz - Logo

befinden sich die besten Plätze. Seit Jahr und Tag gilt das für die Rockmusik, für das Freilufttheater, für den Tanz. Bei ihm hat die Frischluft schon aus Tradition einen rebellischen Aspekt. Die legendäre New Yorker Judson Church kletterte die Hauswände hoch. Zuletzt ließ die Berliner Choreografin Be Van Vark in «Urban Delights» alles – vom Alex bis zum Stahlgerippe des Volkspalasts – betanzen. Diese «Eroberung des öffentlichen Raums», wie sie seit vierzig Jahren genannt wird, hat auch was Trauriges. Verlässt der Tanz doch die subventionierten Öfen.

Setzt sein Publikum auf Bierbänke. Aber mal positiv gedacht: Erobert der Tanz so nicht genau die Plätze, die man früher «Allmende» nannte: Orte, auf die niemand Anspruch nur für sich hat: Märkte, Parkanlagen, Straßen, die längst viel zu euphemistisch der «öffentliche Raum» genannt werden? Heute sind sie privatisiert wie Bahnhöfe und Einkaufszentren oder unterstehen durchs Ordnungsamt einem Recht, das immer minutiöser definiert, was im öffentlichen «Kulturbesitz» geschehen darf. Immer weniger.

Vielleicht kein Wunder, dass mit zunehmender Ordnung im gemeinschaftlich nutzbaren Raum – eben der Allmende – der größte Irritator, der Tanz, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2007
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Redaktion

Vergriffen
Weitere Beiträge
Brief aus Kabul

Natürlich gibt es keinen Tanz in Afghanistan. «Der Islam. Das müssen Sie verstehen», sagt Mohammad Azim Hussainzadah, Leiter der Theaterabteilung an der Kabul Universität. «Gibt es eine Stelle im Koran, die den Tanz verbietet?» «Nein», sagt der  Mitausrichter des 4. Afghanischen Theaterfestivals, gemeinsam mit dem Goethe-Institut Kabul stolzer Zusammenführer aller...

Georgette Tsinguirides über «Cranko Moves»

Georgette Tsinguirides,
im Oktober und November zeigt das Stuttgarter Ballett zwei Programme mit Cranko-Choreografien, die seit Ewig­kei­ten nicht mehr zu sehen waren. Dass sie überhaupt aufgeführt werden können, ist in erster Linie Ihnen zu verdanken: Als Choreologin haben Sie seine Stücke einst aufgezeichnet. Nachdem ich 1966 von meiner Ausbildung in London nach...

«Don Q.» von Christian Spuck

Warten auf Godot? I wo! «Don Q.» nennt Christian Spuck seine neue, «nicht immer getanzte Revue über den Verlust der Wirklichkeit» im Stuttgarter Theaterhaus, und wenn man Egon Madsen und Eric Gauthier endlich sieht, denkt man eher an Wladimir und Estragon anstatt an Don Quixote und Sancho Pansa. Weiß gelockt der eine, dunkel der andere, scheinen sie sich gänzlich...