Traditionen oder Leben? Lebendige Traditionen!
Lieber Jochen Sandig,
ein Utopist wollen Sie sein. Als solcher jedenfalls präsentierten Sie Sasha Waltz‘ Idee des living archive. Und weil Sie die so leidenschaftlich vertreten, möchte ich Ihnen als dem nun Verantwortlichen antworten: Es gibt grundsätzlich gut gemeinte Ideen, die – nicht zu Ende gedacht – sich in ihr Gegenteil verkehren, und es gibt Utopien, die sich als Albträume erweisen.
Sie wollen den geliebten Tanz mit Hilfe einer großen, vielleicht sogar nationalen Repertoirekompanie gegen seine eigene Flüchtigkeit und Vergänglichkeit schützen und ihn auch über seine an die jeweiligen Tänzerkörper gebundene Aufführungszeit am Leben halten, oder wie Sie sagten: ihm ein zweites, drittes, viertes Leben schenken – und fordern damit einen Untoten-Apparat, der Tänzer zu Erfüllungswerkzeugen eines «lebendigen Archivs» machen soll.
Dieser Apparat wird – und das ist das Monströse an diesem Vorhaben – mit seinem ausgewählten Repertoire ganze Tanzlandschaften mit zarteren Gewächsen unter sich begraben. Die Direktoren dieser Kompanie müssten quasi nebenher unzähligen Tanzschaffenden und deren Arbeiten, die heute nicht unter dem Label «Best of contemporary dance» laufen, einen anonymen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Auditions zur Aufnahme an der Salzburger SEAD finden in einer ersten Runde statt in: Helsinki, Oslo und Istanbul 6. März; London 13. März; Tel Aviv 19. März; Barcelona und Stockholm 20. März; Budapest und Ljubljana 27. März; Zürich 3. April, Brüssel und Salzburg 17. April; Berlin und Zagreb 24. April. Die zweite Runde findet am 15. und 16. Mai in Salzburg statt....
Wer ins Kino geht, hat vielleicht Glück und sieht im Werbeblock einen seltsamen Trailer mit allerkürzesten Tanzfilmen von Willi Dorner, Shumpei Nemoto, Tim Fletcher, huber&christen und Ilona Pászthy. Sie sind die Gewinner des von Joint Adventures ausgeschriebenen Wettbewerbs «Choreographic Captures». Man hört: fast nichts. Man sieht: meist Schwarzweiß. Man...
Deutschland
Aachen
Ludwigforum
«Daedalus//Dreams», Tanztheater des Kölner movingtheatre in Kooperation mit dem spanischen Tanzensemble contrapunctus danceport, inspiriert von Ovids «Metamorphosen». space, 2. März
Berlin
Ballhaus Naunynstraße
«Dance for Sale»: Was kostet ein Tanz, fragt der brasilianische Choreograf Ricardo de Paula in seinem Stück für die Grupo Oito....
