Tanz und Video: Dreams in a cloudy space

Tanz - Logo

Alte Menschen brauchen eine Stütze, einen Rollator, wie ihn die 75-jährige Brigitta Schirdewahn über die Bühne steuert. Auch wenn die Frankfurter Tänzerin ihn nicht benötigt. Es ist wie in der Kunst. Wer ein Bild alter Meister betrachtet, sieht zuerst den Rahmen. «Darum choreografiere ich auch nicht, ich rahme», sagt Antje Velsinger. Zusammen mit der Videokünstlerin Ayla Pierrot Arendt zog die Enddreißigerin durch Altersheime, um Damen über 90 zu finden, die unter einer orangefarbenen Perücke dazu bereit waren, ihren gewohnten Trott zu unterbrechen.

Die auf nackter Bühne gezeigten Videos werden unscharf, wenn im O-Ton nach der Brille gesucht wird. Kindlich wirft die eine bunte Federn in die Luft, die andere spielt mit Beeren und bereitet eine Bowle zu. Man ist gerührt, erinnert einen Kindergeburtstag, bei dem die Eltern tunlichst auf alles achten, was den Rahmen sprengen könnte. Sonst wird das Thema, Tanz und Alter, ja liebend gern als Huldigung verstanden. Bei Velsinger sieht man: Alte sind Anarchisten. Je mehr die zwischen Köln und Hamburg pendelnde Choreografin in ihrer Tanz- und Videoperformance «dreams in a cloudy space» den Spielraum beschränkt, desto freier wirken die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2020
Rubrik: Side Step, Seite 29
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
Kein Autopilot, nirgends

In einer Rezension des deutschen Musikfilms «Ich war noch niemals in New York» las ich: «Man sollte sich bei Musicals nicht an der Triftigkeit von Handlungen aufhalten.» Ob es einen Kritiker in New York gibt, der so eine These wagen würde? Ich war im Herbst eine Woche in New York, um mir Musicals anzuschauen. Vom Schauspiel und der Schauspielausbildung kommend,...

Leipzig: Jeroen Verbruggen «Dornröschen»

Dass der Schlaf der Vernunft manchmal Ungeheuer gebiert, ist nichts Neues. Schon Goya hat das in seinen Radierungen thematisiert. Auch einige Märchen handeln davon, und das bekannteste ist «Dornröschen», das in der Sammlung der Brüder Grimm harmloser erscheint, als es in Wirklichkeit ist. In der ursprünglichen Vorlage von Charles Perrault, der auch Tschaikowskys...

Ausstellungen 2/20

Dancing Machines 

In Besançon, 160 Kilometer von Basel entfernt, findet derzeit eine sehr bemerkenswerte Gruppenausstellung statt – mit Künstlern wie Senga Nengudi, -Tony Oursler, Erwin Wurm und mit Choreografen wie William Forsythe, La Ribot und Wagner Schwartz. Die Ausstellung will nichts weniger als hinterfragen, wie genau diese beiden Disziplinen...