Tanz häppchenweise
Rotes T-Shirt, Pferdeschwanz, Hornbrille, Pumphöschen: Rachel Krische wirkt wie die Karikatur einer jungfräulichen Lehrerin, die ihre Ferien pflichtbewusst mit Mutter verbringt. Zuletzt zeigte sie beim Festival «Nottdance» in Nottingham «The Swimmer», ein Solo, das auf den Instruktionen von Deborah Hay, der Ikone des Judson Dance Theater, beruht. Seit 1998 übergibt die legendäre Choreografin ausgewählten Tänzern häppchenweise ihr Repertoire.
2007 lernte Krische in 21 Tagen die Hay-Choreografie «The Runner» und verpflichtete sich schriftlich, ihre Interpretation des Werks, nun umbenannt in «The Swimmer», in den folgenden drei Monaten täglich zu üben. Erst danach dürfe sie es öffentlich aufführen. Aus Hays zentraler Anweisung, keinen Bewegungsimpuls zu vollenden, entsteht bei Rachel Krische ein Bewegungsfluss voll winziger Stopps und abrupter Wechsel in Dynamik, Richtung, Höhe und Geschwindigkeit: ein einzigartiges Energiebündel, das in seinem deplatzierten Outfit erfrischend positiv rüberkommt.
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ausgebuht wurde er in seiner Spielstätte, dem Bockenheimer Depot in Frankfurt, für sein verbales Konzert «Theatrical Arsenal II». Als er selbst ans Mikrofon trat und dem Publikum erklärte, dass er «Sprache choreografiert», war es zufrieden, denn es hatte den charismatischen Meister in Persona erlebt, der zum Jahreswechsel sechzig Jahre alt wurde und nun 1,4...
Er kommt aus der Nähe von Straßburg, tanzte in Paris, seit fünf Jahren lebt er in Berlin. Sein Körper ist bärenstark, seine Haltung die eines Teddys. Die Stimme bittet im freundlichen Ton um Aufmerksamkeit, der Wuschelbart federt den Eindruck von Eitelkeit ab, der Topfschnitt fügt Mitleid hinzu. Den Soloabend führt sein Assistent ein, mit Halbglatze in Malerhose...
Am 13. Juli wird Anna Halprin, die amerikanische Wegbereiterin des postmodernen Tanzes, 90 Jahre alt. Von ihr stammt die Idee der kollektiven Improvisation, für sie ist die Grenze zwischen Tanz, Kunst und Therapie fließend, für sie wurde Tanz ein Mittel zur «Wiederentdeckung der eigenen spirituellen Identität», für sie muss Tanz fließend, unmittelbar und vor allem:...
