surviving merce
Er wich der Frage gerne aus, genau wie es Erblasser meistens tun. Am besten ließ man, sagt ein Vertrauter, «so nebenbei beim Abendessen eine Bemerkung fallen nach dem Motto – weißt du, wir haben uns Gedanken gemacht und meinen ….» Worauf Merce Cunningham entweder sagte: «Nein, das sehe ich nicht so.» Oder: «So könnte ich’s mir vorstellen.» Generell war er nicht übermäßig daran interessiert, «was passiert, wenn ich nicht mehr bin».
Was soll ein Choreograf, ein epochaler Tanzschöpfer seine Energie auf die juristisch wasserdichte Abfassung eines Vermächtnisses verschwenden, wo er doch nichts als das Hier und Heute der Kunst im Kopf hat?
Wie sich derzeit in Wuppertal zeigt (s. Seite 30), ist die Regelung der Hinterlassenschaft durch Hinterbliebene freilich mit erheblichen Risiken behaftet: Wie schafft es eine Kompanie, den Tod von Gründungsvater oder -mutter zu überleben, ohne zum Museum zu verkommen? Noch dazu, wenn über Jahrzehnte ein unverwechselbarer Tanz-Habitus in ihren Reihen herangewachsen ist – ein Image, das am Faden der Altvorderen hängt? In Merce Cunninghams Fall ist die Frage am Silvesterabend 2011, zweieinhalb Jahre nach dem Tod des Patriarchen, letztgültig beantwortet ...
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Tanz Juni 2013
Rubrik: traditionen, Seite 54
von Dorion Weickmann
hat soeben die künstlerische Leitung des Tanztheaters Wuppertal übernommen – und weiß nicht, was kommt. Der große Blonde, fast 40 Jahre dem Ensemble verbunden, ist zwar eine Idealbesetzung. Doch vor ihm liegt eine Herkules-Aufgabe. «Mach‘s gut, Lützchen», würde ihm Pina zurufen. Aber «viel Spaß, Pinchen» – das würde er diesmal sicher nicht antworten.
Denn die...
Es gab sie schon in der Weimarer Republik – die Tänzerkongresse, auf denen Rudolf von Laban seine bahnbrechende Tanznotation vorstellte, auf denen Tänzer für bessere Bezahlung stritten und ihre soziale Lage sowie die Anerkennung ihres Berufs mit den Kollegen diskutierten. 1927, 1928, 1930, dann zwei Nachkriegs-Treffen – danach riss der Faden ab. Seit 2006 gibt es...
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