stuttgart: Christian Spuck «Poppea//Poppea»
Kaum ist die Anfangssequenz vorbei, ahnt man: Christian Spucks «Poppea//Poppea» wird alles andere als ein Ballett mit vorhersehbarem Handlungsstrang sein. Zu Beginn stellt eine Tänzerin (Marianne Illig) in lakonischer Kürze die sechs Hauptpersonen des Dramas vor – eine Ziffer und zwei, drei kurze Sätze müssen genügen. So hat selbst der, der den historischen Hintergrund nicht kennt, elementare Informationen, um dem Bühnengeschehen eine Geschichte unterlegen zu können.
Spuck, noch zwei Spielzeiten lang Hauschoreograf des Stuttgarter Balletts, ehe er die Leitung des Zürcher Balletts übernimmt, hat seine Choreografie für das lokale Konkurrenzensemble kreiert, für Gauthier Dance, beheimatet am Stuttgarter Theaterhaus. Die kleinere Kompanie, die kleinere Bühne scheinen ihn beflügelt zu haben zu einem entfesselten Handlungsballett, das sich locker über narrative Strukturen erhebt, ohne den Plot aus den Augen zu verlieren: hierin vergleichbar Marco Goeckes vier Wochen zuvor ebenfalls in Stuttgart uraufgeführtem «Orlando». Natürlich ist es im choreografischen Zugriff ganz anders gelagert, doch ebenso wirkungsmächtig.
Inspirieren ließ sich Spuck von Claudio Monteverdis letzter Oper ...
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