sprachgewaltige
Sieht man mal ab von Versuchen der Theoretiker, am Tanz Eigenschaften von Sprache zu sehen und ihn entzifferbar zu machen, macht sich der Tanz nur zu oft selbst an sprachlichen Texten fest. Vielleicht zeigt er gerade dadurch seine Gewöhnlichkeit, denn ein normaler Mensch redet ja auch. Wenn dann hohe Literatur oder Philosophie aus dem Off tröpfelt (oder aus dem Programmheft), während auf der Bühne eine mehr oder minder begabte Bewegung stattfindet, wirkt es aber manchmal, als brauchte der Tanz den Text als eine stärkende Infusion.
Von der Literatur will der Tanz meistens nur die Geschichten, die Konflikte, die Gefühle. Oft ist es auch nicht gerade zeitgenössische Literatur, die heutige Choreografen zur sogenannten Vorlage nehmen. Beispiele aus den letzten Jahren: «Krieg und Frieden» von Lew Tolstoi in Dortmund. «Professor Unrat» von Heinrich Mann in Wiesbaden, Lion Feuchtwangers «Jüdin von Toledo» in Düsseldorf, Georg Büchners «Leonce und Lena» in Essen. Überall werden Rollen verkörpert, manchmal vervielfacht, und die Geschichten möglichst nachvollziehbar dargestellt – ohne Worte in bewegten Rollen. Das Thema ist dann klar. Und die Aussage steht im Bücherschrank. Aber es geht auch ...
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Tanz Januar 2011
Rubrik: ideen, Seite 56
von Melanie Suchy
Selten passen Name und Naturell so nahtlos zusammen wie bei Benjamin Millepied. Er ist schmal wie eine Porzellanfigur aus dem französischen Rokoko und tänzelt so wieselflink durch die Flure des Muziektheater in Amsterdam, als sei jedes Füßchen gerade mit etwas anderem beschäftigt. Hier noch schnell eine SMS verschicken, dort ein Taschentuch organisieren, sofort...
Das Interesse des Münchner Opernintendanten Nikolaus Bachler am Tanz ließe sich leicht daran bemessen, dass er bisher noch keine einzige Ballettpremiere besucht hat. Auch wurde auf seinen Wunsch der Vertrag des Generalmusikdirektors Kent Nagano nicht verlängert. Beide Tatsachen zusammengenommen rechtfertigen doppelt, dass er dem Abend «Mein Ravel» im Münchner...
Thierry De Mey hat uns wieder ein Kabinettstückchen gefertigt. Das belgische Multitalent – Komponist, Filmemacher und Kompanieleiter (er ist einer von vier Direktoren von Charleroi/Danses) – hat in seinem neuen Film drei kürzere Choreografien von Anne Teresa De Keersmaeker, Thomas Hauert und einem Kollektiv visuell eingefangen und umgeformt: in ein cineastisches...
