Simone Aughterlony
Simone Aughterlony beim ersten Mal. Sie sitzt da, mit reglosen Riesenaugen, die ans Tierheim erinnern. An Vegetarierkampagnen – nichts essen, was Augen hat. Eine Tänzerin auf offener Bühne ist «Public Property», öffentliches Eigentum. Also «No littering!», nicht verschmutzen, nicht drauftreten, keinen Müll abladen, sagt sie. 2004 lesen wir das als Anweisung für einen pfleglichen Umgang mit zarten Kunstpflänzchen.
Eben noch floh sie hysterisch vor einer gigantischen fliegenden Untertasse, die ihre damalige Chefin Meg Stuart ihr per Video hinterhergeschmissen hatte, mit der Begründung «Visitors Only». Sechs eigene Abendfüller später ist sicher: Aughterlony bleibt auf der Bühne.
Aus der Interpretin von Stuarts «Disfigure Study» ist die Choreografin vom Salzburger «Freischütz» geworden, das nebenbei. Ansonsten sucht sie immer noch das Gespräch. Nicht den anonymen Applaus, mit dem sie die rasant wachsende Fangemeinde überschüttet. Nicht das stumme Entzü-cken, mit dem ein theoriesattes Kunstpublikum ihr zu Füßen liegt, um ihrer feinen urenglischen Eigenart zu huldigen, dem «wit». Witz und Geist in einem, so was gibt’s hier selten. Auf deutschen Bühnen, im Tanz. Aughterlony, die ...
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Vierzehn Chinesen balancieren und wippen auf ihrem Kulturerbe. In der Airbus-Stadt Toulouse ließ der studierte Physiker Aurélien Bory, der für seine französische Compagnie 111 auch sonst gern akrobatische Schwebepartien auf schiefer Ebene choreografiert, sieben über einhundert Kilogramm schwere Tangram-Blöcke fertigen – die schiere Vergrößerung des klassischen...
In bernarda albas haus tanzt sie aus der Reihe: Adela, die Jüngste. Während sich ihre Schwestern in Repressions- und Sehnsuchtsspielen erschöpfen, lässt sie ihrer Laszivität freien Lauf. Voller Verlangen wirft sich Adela immer wieder lustvoll aufs Bett: ein keineswegs obskures Subjekt der Begierde, sondern eine Frau, die ihr Recht auf gelebte Sexualität fordert....
Der Satz will gar nicht wieder aus dem Kopf. «Ach, wie schön, dass mal wieder getanzt wird.» Von der Dame mit dem ondulierten Haar in der vorderen Reihe dem Gatten ins Ohr gesagt. Auf diese Weise den Umsitzenden unbeabsichtigt ins Hirn geträufelt. Irgendwie wirklich schön, dass mal wieder getanzt wird. Vor allem, wenn sie so jung sind, die Tänzer. Noch nicht...
