Showcase Beat Le Mot: «1534 n. Chr.»
Deutschland war nie frei und freizügig? Blödsinn. In Münster, na ja, es war vor 476 Jahren, da tauften sich die Wiedertäufer wieder und wieder und teilten auf dem Marktplatz ihren Besitz immer neu und zu gleichen Teilen. Gab es einen Überschuss an Frauen, nahmen sie mehrere, sie aßen alle Tage Fleisch, hielten nichts von heiligen Sakramenten, keine Obrigkeit wollten sie haben, den Papst und Luther nannten sie Satan und sangen aus vollem Brustton: «Freiheit ist den Menschen von Gott gegeben, dafür ließ er Leib und Leben.
» Vier Buben der Formation Showcase Beat Le Mot treten aus vier Gewächshäusern, Nebel wallt, die Uhr tickt gegen ihre Zeit, aber «Zeit geschieht nur, damit nicht alles gleichzeitig geschieht».
Vor Unzeiten kamen vier Prediger nach Münster. Sie wussten, in der reinen Gegenwart von 1534 oder 476 Jahre später gab und gibt es nur dann eine Freiheit, wenn auf Träume Taten folgen, wenn das Wort zu Fleisch wird, wenn aus dem Skandieren und dem Skandal ein Tanz entsteht, den ihnen Minako Seki auf den Leib schrieb. Da robben sie nun, die Herren über vierzig, zwischen Töpferscheibe und Sanduhr, weil wir das Jahr 1534 schreiben und keiner weiß, wie man damals die Freiheit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Hier ist München ganz weiß-blau. Die bayerischen Fahnen wehen. Ortsfremden Menschen baumeln weiß-blaue Tüten eines bekannten Fernsehkochs am Handgelenk. Das Hofbräuhaus saugt Besucher ein und spuckt sie wieder aus. Am Platzl ist das Probenzentrum des Bayerischen Staatsballetts. Auch wenn die Fenster geschlossen sind, hört man das Klavier oder die Musik, mit der...
Tiefer kann ein Kopf nicht hängen; saft- und kraftloser können Arme kaum schlenkern. Wer der Loser ist, sieht man auf den ersten Blick. Petruschka, diese traurige Spaßmacherfigur, hat weder bei einer Ballerinapuppe noch gegen seinen Konkurrenten Mohr eine Chance. Bei Michail Fokin und Igor Strawinsky war die Sache 1911 in etwa einer knappen Stunde abgefeiert. Im...
Tanzen kann man überall. Im Wohnzimmer, in der Wüste Negev, im Fahrstuhl. Solange man allein ist. Kaum aber will einer vor wildfremden Leuten in der U-Bahn, im Supermarkt oder auf den Tischen im Restaurant tanzen, da ist Schluss mit lustig. Dann wird die Welt zu eng, der Tanz rückt einem auf die Pelle, und die Haut wird einem unwohl. Wenn einer tanzt, nimmt er sich...
