Seitensprung in der Lokremise
Schau, was kommt von draußen rein? Es ist nicht das feine Liebchen, auch wenn es sich zuweilen durchaus fein und lieblich gebärdet. Es ist auch nicht der Nikolaus, trotz der dicken Mäntel und der wuchtigen Schritte. Bunte Gestalten sind es, die zum Fenster einsteigen oder aus Schlafsäcken kriechen und gern Lenny Kravitz hören, denen aber auch Franz Schuberts Klaviermusik in die Glieder fährt.
Mit «Schlafende Hunde we-cken» ist Philipp Egli eine Choreografie gelungen, die die Zuschauenden mit augenfälliger Musikalität für flüchtige Momente richtig jauchzen lässt und sie dann vorsätzlich so bestürzt, bis es einen schwelgen und schwindeln macht. Pulsierend rhythmisiert und räumlich raffiniert komponiert, lässt der aus Zürich stammende Choreograf seine vierzehnköpfige Tanzkompanie Theater St. Gallen immer neu ausholen zu überschwänglicher Ausgelassenheit und versunkener Innigkeit, zu gezitterter Agonie und unbändiger Wut, zu getorkelter Gleichgewichtsstörung und leichtfüßiger Harmonie.
Dabei tut sich nicht nur eine vielfältige Spannung auf zwischen der Musik und dem wechselnd on und off beat choreografierten Tanz. Und auch die räumlichen Verhältnisse spiegeln sich thematisch clever ...
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... und andernorts. Je mehr man sich in die Märchenwelt seiner Kindheit vertieft, desto weniger vertraut erscheint sie. Die Erinnerung trügt, und nicht eine einzige Figur verhält sich so, wie wir’s aus Grimms Geschichten kennen. Selbst das Böse, von Masa Kolar kraftvoll verkörpert, ist nicht mehr das, was es war, und verkehrt sich zeitweilig ins Gegenteil....
Ich stehe im Supermarkt, an der Kasse. Die Frau vor mir hat ein blaues Auge, der Mann hinter mir riecht nach Urin. Ihm fällt sein Kleingeld auf den Boden, ich hebe es auf und gebe es ihm. Vor ein paar Tagen stand ich auch hier. Da waren zwei Männer hinter mir, mit einem Mädchen, das war vielleicht vier. Sie kauften zwei Flaschen Wodka und ein Glas Nutella, und die...
Nackt, wie Gott sie schuf, präsentieren sich die 37 Protagonisten des 53-köpfigen Stuttgarter Balletts und paradiesisch obendrein. Völlig losgelöst, lassen sie kaum etwas von der schweißtreibenden Anstrengung ahnen. Für Sekunden sind die Tänzer und Tänzerinnen zwischen Himmel und Erde nichts als schön. Engeln gleich kostet Dieter Blum diese Momente einer...
