Sehenden Auges
Sie trinken ihren Latte im Café «Eisenbergs» mit Blick auf die Sophiensäle. «Kuratoren arbeiten mit Leib und Seele», erklärt die eine Frau, jung, mit Sonnenbrille, in der sich der heiße Sonntagnachmittag spiegelt. Die zweite nickt und schreibt das Gesagte in ihr Notizheft. Und ich denke am Tisch daneben – mit Leib und Seele arbeiten, mit Haut und Haar dabei, wie Künstlerinnen und Künstler eben. Ist doch schön für sie, für die Kuratoren.
Und für uns, das Publikum? Ist es nicht schön, dass Kulturmanager Kopf und Kragen riskieren, um uns die eine, nämlich ihre Sicht auf die Kunst näherzubringen? Müssen wir uns nicht glücklich schätzen, in einer Zeit zu leben, da Kuratorinnen und Kuratoren für uns aus der Unmenge des Produzierten herauspicken, was für uns zu sehen wichtig ist?
Alle werden kuratiert
Und wie sieht es aus für die Künstlerinnen und Künstler? Ist es nicht schön, dass jemand ihre Kunst in einen «kuratorische[n] Gesamtkontext» setzt, «der über die künstlerischen Produktionen hinaus Wissen produziert», wie Anne-Cathrin Lessel und Hannah Pfurtscheller in ihrem Papier «Ein Dasein zwischen Künstler*[in] und Kurator*[in]? – Residenz- und Produktionsformate als ...
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Tanz Oktober 2018
Rubrik: Ideen, Seite 58
von Lilo Weber
Tanz kann durchaus eine politische Kunstform sein. Anstelle von Buchstaben, Wörtern und Sätzen verwendet er Bewegungen und vermag damit so viele Sprachen zu sprechen, dass er jede Zensur überlisten kann. Tanz ist universaler als alle Sprachen und Nationen. Es gibt keine menschliche Kultur ohne Tanz – es sei denn, der Tanz ist aus religiösen oder autoritären Gründen...
Der erste Auftritt gehört der Abteilung «Kulturelle Bildung». Ein junger Mann, T-Shirt und Jeans, betritt die leere Bühne und wendet ein großes Schild dem Publikum zu: «1. Konzert F-Dur». Diese Szene, die sich zum Amüsement des Premieren-Publikums in der Berliner Volksbühne vor jedem der sechs Brandenburgischen Konzerte wiederholt, lässt alle wissen, was sie hören...
Der Mond rast auf die Erde zu, sekündlich kommt er näher, zwischen zwei Wimpernschlägen scheinen sich seine Gebirge höher zu türmen und die Ozeane dazwischen noch endloser zu dehnen. Die Tänzer jedoch nehmen davon gar keine Notiz, obwohl der Trabant sich genau vor ihrem Treppenhausfenster zu galaktischer Monstrosität bläht. Wahrscheinlich sind sie viel zu sehr mit...
