Schlag artig

Sidi Larbi Cherkaoui: «In Memoriam» in Monte Carlo

Tanz - Logo

Es gibt Tänzer, die gibt’s nicht. Artis­tes chorégraphiques nennen sich bei den Ballets de Monte-Carlo die Künstler, die im Grimaldi-Forum mühelos die Bühne füllen: Bernice Coppieters zuvorderst, die unter dem Eindruck des zuvor Erlebten immer wie­der erschaudert. Den Schlag in die Magengrube hat ihr Körper nicht vergessen. Die ganze Brutalität ihres Partners ist für sie nach wie vor wie mit Händen greifbar. Selbst  wenn er sie in dem Stück nicht eine Sekunde lang wirklich berührt, scheint sie ihm wehr­los ausgeliefert.

Vor Schmerz schreit sie auf und windet sich aus seiner Umklammerung. Wie von dieser Erinnerung befreit, steht sie am Ende da, konzentriert wie eine Karate-Kämpferin. Ohne erkennbare Regung fasst sie ihn schließlich an. Ein Schlag mit der Linken – leblos fällt er zu Boden, wo bereits die anderen liegen.
Nicht grundlos nennt Sidi Larbi Cherkaoui seine Choreografie «In Memoriam». Er erforscht, was dem «klassischen» Körper an Erfahrung eingeschrieben ist, und versucht diese Erfahrung sichtbar zu machen. Aber so wenig Erinnerung je Wirklichkeit werden kann, so wenig greifbar ist die Gegenwart ohne Geschichte. «Allein durch ihre Erinnerung», meint Sidi Larbi Cher­kaoui, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2005
Rubrik: On Stage, Seite 44
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ode an den Vogel

A-B-A-B. Harmonie-Disharmonie-Harmonie-Disharmonie. Gleichgewicht/ Ungleichgewicht, usw. ... Keine  Frage, das Weihnachtsprogramm an der Opéra national de Paris war kunstvoll gestrickt. Und im prunkvollen Foyer glänzte eine Tanne, geschmückt mit roten und goldenen Tanzschuhen. Vier Stücke statt der üblichen drei, davon zweimal Trisha Brown, und weder ein Balanchine...

A stream of sharp lines

Choreographer Nanine Linning is known for her often strong compositions and striking lighting designs. Alongside her work with the Scapino Ballet Rotterdam she continues to produce choreographies with her own foundation, Pipsters, for smaller theatres, including 2003‘s performance “Karpp?“ for dancers Iris Reyes and Mirjam ter Linden. This powerful but delicate...

Stichprobe: Das Mariinsky-Ballett

Die Russen kommen, die Russen ­kommen! Kein Jahr vergeht, ohne dass das Mariinsky-Ballett St. Petersburg seine eigene «Saison» im Großen Festspielhaus Baden-Baden bestreitet. Doch Gefahr, die Gastspieltätigkeit könnte sich eines Tages erübrigen, besteht nicht. So lange selbst Kritiker namhafter Tageszeitungen allen Ernstes von einer «Schwa­nensee»-Ballerina...