reflex als tanzmotor

Es gibt ein Leben vor dem Leben, aber wie es sich anfühlt, vergessen wir. Bonnie Bainbridge Cohen reist zurück in den Mutterleib und gewinnt aus der Embryologie die Inspiration für jede Bewegung

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Wenn ein Neugeborenes erschrickt, spreizt es die Arme weit, sperrt Mund und Augen auf, atmet ein und zieht sich dann, oft mit einem Schrei, eng zusammen. Affenbabys klammern sich schutzsuchend ans Fell der Mutter. Dieser sogenannte Moro-Reflex ist der erste Überlebensreflex. Er entsteht bereits in der zwölften Woche nach der Empfängnis und provoziert bei der Geburt den ersten Atemzug.

Bonnie Bainbridge Cohen ist überzeugt davon, dass die von starken Emotionen begleiteten primitiven Reflexe, Stell- und Gleichgewichtsreaktionen nicht völlig verschwinden, sondern sich gut integriert in mühelosen, gelungenen Handlungen wieder finden lassen. «Sie sind natürliche Reaktionen unseres Körpers.» Als Grundbausteine strukturieren sie das Alphabet menschlicher Bewegung. Die Bewegungsforscherin glaubt, dass die zweite Phase des Moro-Schreck-Reflexes jeder Umarmung zugrunde liegt. Und sie demonstriert es in ihrem Workshop im Frankfurt LAB gleich mehrfach, wenn sie auf alte Bekannte zueilt und sie heftig ans Herz drückt. So sieht lebendige «Verkörperung» des komplexen Seminarthemas «Embodying the Primitive Reflexes, Righting Reactions and Equilibrium Responses (RRR)» aus.  

Erfahrbare Anatomie

Die ...

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Tanz Dezember 2014
Rubrik: praxis, Seite 68
von Irene Sieben

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