Rafael Bonachela: «The Land of Yes and the Land of no»
Ja, er ist es, der Kylie Minogue und Tina Turner zum Tanzen brachte. Dass ein Choreograf den Ausflug in die Pop-Etage des Tanzes auch gut für eine ernsthaftere Annäherung gebrauchen kann, sah man dem katalanischen Choreografen Rafael Bonachela bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen etwas zu mühelos an. Immerhin dort zeigte das in London beheimatete Ensemble seine veritable Uraufführung von «The Land of Yes and the Land of No».
Pop sells? Das hatte der Choreograf, der seit Beginn des Jahres auch die Sydney Dance Company leitet, wahrscheinlich nicht mal im Blick.
Und doch ahnt man, wenn man die ersten Szenen sieht, was Popgrößen am neuen Liebling der britischen (und demnächst der australischen) Tanzszene schätzen: Sein Bewegungsvokabular ist eine eingängige, locker fließende Modern-Dance-Variante, die Oberflächen poliert, statt am Lack zu kratzen; die Stimmung seines Stücks ist eine seltsame, aber sicher Clip-taugliche Allianz von kühler Distanziertheit und schüchternem Kitsch.
Die sechs Tänzer agieren zurückhaltend und lassen «The Land of Yes and the Land of No» zunächst wirken, als schaue man eine Inszenierung Robert Wilsons im Zeitraffer an – ein Eindruck, den der in satten Farben ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Zweieinhalb Wochen zuvor war die Welt noch in Ordnung. Man fuhr zu Pina Bausch nach Wuppertal, das «Neue Stück» zu sehen. Erfreute sich an den frischen Gesichtern des Tanztheater-Nachwuchses, bewunderte die Bewegungs-Serpentinen, auf denen Schmerz und Lust in Endlosschleifen vorüberglitten. Sammelte Bausch’sche Selbstzitate auf und staunte über klassische...
Am 18. Mai 1909 wurde im Théâtre Châtelet die Saison Russe mit dem «Pavillon d'Armide» eröffnet: kein Ballett gab die Visionen Diaghilews sichtbarere Gestalt als jenes Drame chorégraphique en un acte et trois tableaux eines gewissen Mikhail Fokine. John Neumeier spricht von einem «unglaublichen Erfolg», die das Werk erfahren habe, von einer «regelrechten...
Vor drei Jahren machte Nicole Chirpaz in Paris Furore – als Choreografin und Regisseurin einer spektakulären Revue für das berühmte Cabaret Bobino. Damit forderte das Theater die Shows des Moulin Rouge und des Lido heraus. Für Nicole Chirpaz war es eher ein Seitensprung. Ein erfolgreicher. Im Hauptberuf unterrichtet sie junge Tänzer. Mit Leidenschaft. Schon 1973...
