Public Relations
Die Beziehung eines Theaters zur Öffentlichkeit ist nur selten sehr intim. Das Publikumsgespräch nach einer Vorstellung bildet mitunter das Maximum an Nähe zum Zuschauer, die ein Choreograf zulässt. Der Künstler zum Anfassen dient quasi als Bonus-Track dafür, dass bis zum Publikumsgespräch tatsächlich alles getan wurde, damit überhaupt ein Publikum da ist. Denn warum der Zuschauer kommt, ist bis heute ein Rätsel. Wie zahlreich er erscheint, scharen- oder tröpfchenweise, daran war früher das Wetter Schuld. Heute ist es die Schuld der Öffentlichkeitsarbeit.
Das Parkinson’sche Gesetz
Je mehr ein Theater oder eine Kompanie auf Publikum angewiesen ist, desto eher regiert das Parkinson’sche Gesetz. Das geht, aufs Theater übertragen, so: Der Anteil des Personals steigt in den Bereichen, die nichts mit Kunst zu tun haben, im Schnitt um sechs Prozent pro Jahr, egal, ob mehr oder nichts zu tun ist, während für die eigentliche Kernaufgabe des Theaters, die Kunst also, das Personal stagniert oder sinkt. Dagegen wird so lange nichts unternommen, wie man das Kerngeschäft eines Theaters nicht über die Kunst definiert. Geht es um Platzausnutzung, vermehren sich also entgegengesetzt proportional zu ...
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Tanz Jahrbuch 2011
Rubrik: Die Vermittler, Seite 58
von Arnd Wesemann
Jared Gradinger und Angela Schubot stehen sich gegenüber und schließen die Augen. Bis zum Ende ihrer knapp einstündigen Tanzperformance «is maybe» im Juni im Berliner HAU werden sie sie nicht öffnen. Eyes wide shut. Kein Blick fällt auf den anderen. Denn Blicke schaffen Distanz. Die beiden sehnen sich nach grenzenloser Nähe. «is maybe» kreist um den Wunsch, vom...
Eines Tages ist Demis Volpi aufgewacht und sagte einfach: «Ballett». Drei war der Junge damals; seine Eltern können sich bis heute das Schlüsselwort ihres Sprößlings nicht erklären. Sein Wunsch war ihnen zwar nicht Befehl, aber sie legten ihm auch keine allzu großen Steine in den Weg: Mit vier erhielt der Beau aus Buenos Aires seinen ersten Tanzunterricht. Zwei...
Führt euch selbst an
Direktoren und Choreografen sind doch Amateure. Niemand hat ihnen das, was sie tun, wirklich beigebracht. Natürlich sollte man einige Ahnung von Musik, Architektur, Kostüm, Lichtgestaltung haben. Man müsste Anatomie gut studiert haben, um nicht Sachen zu choreografieren, die die Menschen verkrüppeln. Und man sollte als künstlerischer Direktor...
