Foto: Arno Paul

Plaisirs inconnus

Was ändert sich, wenn die Autoren eines Tanzabends anonym bleiben? Das Ballet de Lorraine konspiriert gegen den Rummel um große Choreografen-Namen – ein hochinteressantes Experiment

Tanz - Logo

Wenn Sie, ja Sie, Tanz anschauen – wonach richten Sie sich? Warum gehen Sie in das Stück von X und nicht in das Stück von Y? Was wäre, wenn Ihnen mal niemand verraten würde, wer die Hersteller sind? Würden Sie dann trotzdem eine Karte kaufen? Wir wissen zwar nicht, wie groß der Teil des Publikums ist, der sich bei der Entscheidung zum Ticketkauf vor allem vom Namen des Choreografen leiten lässt. Petter Jacobsson, der seit fünf Spielzeiten das Ballet de Lorraine in Nancy leitet, ist sich aber sicher: Es sind ziemliche viele Zuschauer. Zu viele, wie er meint.

Denn ein Name ist eine Marke, auch und gerade in der Kunst. Auch Jacobsson setzt auf eine marktgängige Strategie: «Wir haben in der Vergangenheit immer wieder angesagte Choreografen eingeladen, für uns Stücke zu entwickeln.» Sein Assistent Thomas Caley und Emma Gladstone vom Sadler’s Wells in London, diese beiden kamen auf den Gedanken, dass es auch anders gehen könnte: Was, wenn niemand weiß, wie der Choreograf, die Choreografin eines Stücks heißt? Was, wenn das Publikum weder vorher noch hinterher erfährt, wer die Tänzer über die Bühne scheucht? Und wie reagieren die Tanzschöpfer, wenn sie wissen, dass niemand sie loben wird, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 8
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
Symposium

Das Institut für Zeitgenössischen Tanz an der Folkwang Universität der Künste nimmt den 90. Geburtstag der Hochschule (tanz 4/17) zum Anlass für Rück- und Vorschau im Rahmen eines Symposiums. «Technik, Haltung, Zukunft» – die drei Begriffe markieren, worum es in Vorträgen, Diskussionsrunden und praxisnahen Formaten vom 13. bis zum 15. Oktober auf dem Campus in...

Rom: Dada Masilo «Giselle»

Akt zwei: Hilarion drückt sich auf die Bühne. Keine Spur von Giselles Grab, dafür taucht eine unheimliche Frauengestalt in dunkelrotem Kleid auf. Es ist eine Wili, wie Heinrich Heine sie nannte, korrekt slawisch Víla genannt: der Geist einer Braut, die vor der Hochzeit gestorben ist. Im französischen Ballett «Giselle, ou les Wilis» von 1841 haben Wilis die...

Vorschau - Impressum Oktober 2017

Ben J. Riepe

Seine Tanzkunst passt perfekt in den Rahmen der Kunsthalle Düsseldorf, die derzeit ihr 50-jähriges Jubiläum begeht. Dort entsteht gemeinsam mit der Künstlerin Kitty Kraus sein jüngstes Werk, «Carne Vale!», im Anschluss an seine Recherchereise zum Goethe Institut im brasilianischen Salvador de Bahia. Anlass für ein Porträt dieses ungewöhnlich freien...