paris: on tour
Zwischen Europa und Afrika den Spieß einfach mal umdrehen. «Mozart kolonisieren», nennt Robyn Orlin das. Und macht daraus eins der besten Soli seit Langem. Ausgangspunkt: Johannesburg. Ziel: Ein «Requiem für die Menschheit». Bei so viel Ambition ist der ganze Titel noch etwas länger als bei Orlin üblich: «And so you see… our honourable blue sky and ever enduring sun… can only be consumed slice by slice».
Den roten Faden bildet, nebst fernem Widerhall des Mozart-Requiems, das Schema der «Sieben Todsünden».
Die Wahlberlinerin Orlin mag von Brecht und Weill beeinflusst sein, wenn sie Stolz, Hochmut, Gier, Müßiggang und andere «Laster» in einer Person vereint, nämlich in Albert Silindokuhle Ibokwe Khoza aus Johannesburg. Der Südafrikaner ist eine Art performendes Naturphänomen, ausgestattet mit den Körperformen und -ausmaßen einer Botero-Skulptur. In Khoza fand Orlin, die jede Art ästhetischer Freiheit propagiert, einen idealen Komplizen.
Genauer gesagt: Er fand sie. Der preisgekrönte Rebell, der in Frankreich und Luxemburg 2012 mit seinem schrillen Solo «Influences of a Closet Chant» auf sich aufmerksam machte, nahm Kontakt zu Orlin auf, als er eine Uni-Arbeit über ihre Kunst schrieb. ...
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Tanz November 2016
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 46
von Thomas Hahn
anastasia
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