Ortlos
Mein erstes Buch, das ich mit 18 Jahren nicht schrieb, sondern klebte, handelte vom Raum. Ich verdiente mir vor Weihnachten das Taschengeld auf unserem lokalen Postbüro, indem ich die eingeschriebenen Sendungen in ein Buch übertrug. Hinter mir tickte der Telegraf, und ein Kollege zerschnitt den endlosen Nachrichtenstreifen in für das Telegrammformular passende Stücke. Diese Streifen beschäftigten meine Fantasie. Vom Postmeister erhielt ich die Erlaubnis, nach Feierabend einen eigenen Text darauf zu tippen.
Es sollte nicht nur vom Raum handeln, sondern auch von Liebe, denn ich wollte es meiner ersten Freundin schenken. Darum sollte das Buch «Amour espace» heißen und alles, was ich über diese beiden Größen wusste, in Form einer Collage von Sinnsprüchen und Merksätzen auf Telegrammstreifen versammeln. WIR NEHMEN RAUM EIN / ICH GEBE DIR RAUM / ICH RÄUME EIN / DU RÄUMST MICH AUF / BIN ICH DIR AUFGERÄUMT GENUG? Und so weiter. Ich reihte diese Variationen nicht einfach nebeneinander, sondern bildete raumbildende Figuren, Konstellationen, denen ich Tiefe und Mehrdeutigkeit zu geben suchte.
Was ich als «Raum» chiffrierte, war natürlich eine körperliche Nachfrage, die ich mir in anderer als ...
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