Ohad Naharin: «Hora»

montpellier

Tanz - Logo

Ohad Naharin liebt knappe Titel. «Hora», das ist ein Volkstanz aus Rumänien, der auch in Israel Fuß gefasst hat. Aber keine Bange, Naharin zeigt keine Kreistänze, er widmet das Stück seiner Mutter Tsophia zu ihrem Achtzigsten und betreibt wild seine ingeniöse Tanztechnik Gaga weiter, indem er einfache Schrittelemente nach Lust und Laune mischt, analysiert und neu zusammensetzt, um so stets Neues aus den energiegeladenen Tänzern zu generieren. Ein wenig erinnert Naharin darin an Jackson Pollock: Auch die Bilder des berühmten amerikanischen Malers entstanden je aus dem Vorangegangenen.

 
 

Noch mehr erinnert «Hora» an Pollock, wenn die Bühne zunächst in irisierend grünem Licht vor sich hinleuchtet und seine elf Tänzer aufrecht auf einer schwankenden Bank im Hintergrund sitzen, in kurzen Hosen: wie ein Ölgemälde, bevor sich die Bühne schlagartig in eine chaotische Tanz-arena verwandelt. Da verfolgt jeder Tänzer seinen eigenen Weg, ergibt sich seiner Energie ohne Rücksicht auf andere. Das Bild sprudelt wie ein Whirlpool der Individuen, die sich jäh zum Fischschwarm ordnen, sobald ein Eindringling die Szene betritt.
 

Es erklingt ein elektronisches Arrangement von Isao Tomita and Ryoji ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Juni 2010
Rubrik: kalender, Seite 45
von Ora Brafman

Vergriffen
Weitere Beiträge
barocke lust

Mehr Garnelen im Salat, bitte! Dann brächen vielleicht wieder barocke Zeiten,

der Verschwendung und des Genusses an. Dem Barock hat der Tanz viel zu verdanken – damals wurde der Tanz zum Berufsfeld mit akademischem Ansehen. Begibt er sich heute erneut auf die Spur barocker Sinnen- und Verschwendungs­lust? Oder hätten wir das nur gern, angesichts einer...

Streetdance 3d

Ob Klassik mit Krumping, Breakdance mit Johann Sebastian Bach zusammengeht, das ist keine Frage. Christoph Hagel hätte andernfalls nie in der Berliner Nationalgalerie die Flying Steps samt der japanischen Ausnahmetänzerin Yui Kawaguchi zu Bachs «Wohltemperiertem Klavier» auftreten lassen. Auch keine Kinoproduktion, noch dazu im Hochpreisniveau der 3-D-Technologie,...

Stephan Thoss: «Dornröschen»

Der König schlurft durch sein Gemach, die Königin im nachtblauen Kleidchen schaut ganz deprimiert. Es will nicht klappen mit dem adligen Nachwuchs, da kann sich Frau Gemahlin noch so lasziv räkeln auf dem langen Tisch. Da hilft kein königlicher Mantel über dem grauen Anzug. Er bleibt ein Versager ohne Nachfolger. Die Nöte der Eltern stellt Ballettdirektor Stephan...