newcomer, abschied, nachruf
newcomer_________
ambra senatore
Sie ist blond und hoch aufgeschossen, wie man es von einer Norddeutschen erwarten würde. Ihr Humor kommt mit so mächtigem Understatement daher, dass er fast schon britisch wirkt. Feinsinnige Ironie färbt jedes ihrer Stücke.
Die Norditalienerin hat diese Untertöne seit ihrem Solo «EDA» (2004) zum eigenen Markenzeichen weiterentwickelt. Das Gerüst ihrer Stücke baut sie aus Alltagsszenen, psychologisch treffsicher und zum Schmunzeln anregend. Vorwiegend wird dabei das weibliche Individuum mit sich selbst konfrontiert.
Dabei flicht sie Betrachtungen zu Raum, Zeit und Sinn aller Abläufe ins Geschehen ein. Ihre Stücke sind zunehmend komplexer geworden, ihre Tourneen weitläufiger. Obwohl sie mittlerweile bis nach Brasilien und Südkorea unterwegs ist, gastiert sie vor allem häufig in Frankreich. Ihre jüngste Kreation «Aringa rossa» vereint neun Interpreten, darunter auch Senatore selbst. Vor der Uraufführung bei der «Biennale de la Danse» in Lyon, der eine Residenz im Rahmen eines Koproduktionsprogramms voran ging, war sie reichlich nervös. Grundlos, denn ihre Handschrift bleibt klar und griffig. Das Spiel mit Versatzstücken verschiedener Erzählstränge, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Februar 2015
Rubrik: menschen, Seite 30
von
screening________
nacho duato
Manchmal hat man den Eindruck, er sitzt auf einem hohen Ross, und am
Ende des Films reitet Nacho Duato tatsächlich durch eine nächtliche Stadt: ein
Lonesome Rider, der in Sankt Petersburg, obwohl groß plakatiert, nie so recht angekommen ist. Ulrik Wivel und Alejandro Álvarez portraitieren den langjährigen Chef der Compañía Nacional de...
Wenn einer aus der Talentschmiede von Emanuel Gat kommt und schon ein paar Choreografie-Preise eingeheimst hat, ist die Hoffnung berechtigt, dass er auf der Bühne ordentlich was zu sagen hat. Roy Assaf, Jahrgang 1982, möchte so manches artikulieren, kann sich jedoch bewegungssprachlich nicht so recht entscheiden. Deshalb klebt er im Kleinen Haus des Braunschweiger...
Im September 2014 bezeichnete Frankreichs Premierminister Manuel Valls Tunesien als «Start-up der Demokratie». Zu Recht. Denn im Oktober und November fanden Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt, die bemerkenswert ruhig verliefen. Die Islamisten mussten den Gang in die Opposition antreten. In dem sicheren Glauben, weiter regieren zu können, hatten sie auf...
