Musik

Musik ist ein räumliches Gebilde. Auch Musik choreografiert den Raum. Der Ton hallt nicht nur wider, er definiert auch den Raum. Gedanken der Komponistin Isabel Mundry.

Tanz - Logo

In einigen japanischen Gärten findet sich ein Bambusrohr, an der Mittelachse wie eine Wippe befestigt und an einem Ende mit einer Öffnung versehen, sodass ein Wasserstrahl hineinfließen kann. Diese Seite ist nach oben gerichtet, und das Rohr füllt sich nach und nach, bis das Wasser die Mittelachse übersteigt, ein Gegengewicht erzeugt und der Bambus sich auf den Kopf stellt, sodass das Wasser schließlich aus der Öffnung wieder herausfließt. Entleert schlägt das Rohr zurück in die Ausgangsposition, stößt dabei hörbar auf den Boden und erzeugt einen hölzernen Klang.

Der ganze Vorgang ist zu lang, um der Wiederkehr des Klanges eine Taktierung abzugewinnen. Immer wieder vergisst man das Bambusspiel. Vom Hören verfällt man ins Sehen und vom Sehen in irgendwelche Gedankenketten, die ihren eigenen Verlauf nehmen würden, würde nicht ein erneutes «Klack» dem narrativen Gang der Zeit ein Ende setzen und dem Erinnerten zwischen dem verlangsamten Puls des Rohrs eine spezifische Gestalt mit Vorher und Nachher verleihen. Zwei Zeitwahrnehmungen prallen hier aufeinander, eine ungerichtet offene, und eine Gestalt gewinnende, erinnerbar wie ein Gerüst. Ihr Verhältnis ist ein räumliches – sie ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2006
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 64
von Isabel Mundry

Vergriffen
Weitere Beiträge
Natalia Ossipova

Die junge Natalia Ossipova gehört zu denen, über die man spricht, über die man streitet. Man kann sie lieben oder auch nicht, aber man kann nicht umhin, sie zu bemerken. Der Bühnenauftritt dieser nicht großen und dem allgemeinen Typ der Ballerina nicht entsprechenden Tänzerin ist buchstäblich wie der Flug eines hellen Kometen, sei es in der Variation der spanischen...

Anik Bissonnette

This spring, prima ballerina Anik Bissonnette, a fix­ture at Les Grands Ballets Canadiens de Montréal for the last 17 years, announced she is on the move. She is retiring from Montreal’s top-drawer ballet troupe next season, the company’s 50th anniversary. It’s a sad moment for Bissonnette and her fans, but one of excitement too. “Ready for new adventures,” she’s...

Architektur

Frédéric Flamand, Sie schwören auf Architekten, die Ihnen Bühnenräume entwerfen. Woher stammt Ihre Vorliebe für die Baukunst?                                                                        Meine besondere Beziehung zum Raum entstand lang, bevor ich begann, mit Architekten zu arbeiten. Wir schufen in Brüssel eine der ersten experimentellen Theaterkompanien...