münchen: johan simons
Sie sind seit dieser Spielzeit Intendant an den Münchner Kammerspielen. Meg Stuart zeigte hier «Maybe Forever», Ende des Monats folgt Alain Platel mit «Gardenia». Beide Choreografen werden ab der kommenden Saison auch mit den Schauspielern des Ensembles arbeiten. Warum Tanz an den Kammerspielen?
Tanz in München ist ausbaufähig, so nehme ich das wahr. In Amsterdam oder Brüssel kann man pro Abend zwischen dreißig und vierzig Vorstellungen wählen, in München gibt es höchstens acht. Ich möchte, dass Meg Stuart und Platel hier bekannter werden.
Beide werden an den Kammerspielen mit Schauspielern von hier sowie mit eigenen Tänzern Stücke erarbeiten, und da ist es wichtig, dass man im Vorfeld schon etwas von ihnen zeigt.
Sie waren selbst Tänzer.
Ja, nach der Ausbildung in Rotterdam habe ich in verschiedenen Kompanien getanzt, aber ich war kein großartiger Tänzer. Doch die Disziplin habe ich mir erhalten. Morgens mache ich zu Hause ein kurzes Graham-Training, und wenn ich selbst Regie führe, versuche ich immer, den Schauspielern ein Körpertraining zu geben.
Wie ist Meg Stuart angekommen?
Einem Teil hat es gefallen, dem anderen nicht. Aber manches muss man einfach durchsetzen.
Abgesehen ...
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Tanz März 2011
Rubrik: menschen, Seite 32
von Katja Schneider
Man muss lesen, was man zu sehen nicht erträgt. Dazu fordert der Schauspieler auf und lässt die Handpuppen sinken. Also Blättern im Programmheft: «Auf der Leinwand ist zu sehen, wie Wayne mit einer Zange die Finger des Jungen abschneidet. Dean steckt die Faust in den Arsch des Jungen, und mit der anderen Hand würgt er ihn. Er lutscht am schlaffen Schwanz des...
Wenn jemand fragt, was Konzepttanz ist, weiß ich es auch nicht mehr. Am Anfang nannte man ihn «Landscape Play», ein Begriff der amerikanischen Autorin Gertrude Stein. Was auch geschieht, alles ist gleichermaßen wert, betrachtet zu werden. Merce Cunningham kann man so ansehen. Seine Stücke waren «Konzept», aber man nannte es nicht so. Gemeint war der auf sein bloßes...
«Ich bin ganz müde, ich kann nicht mehr», sagt Momo. Seit fast einer Stunde wartet er mit umgehängter E-Gitarre auf seinen Auftritt. Eigentlich ist klar, vor sieben Uhr wird niemand kommen. Er könnte sich also zu den anderen auf den Boden setzen. Aber er ist viel zu aufgeregt, genauso wie Ibo, der vor der Hammondorgel steht, immer mal wieder dröhnend auf die Tasten...
