Mathilde Monnier: «Pavlova 3’23»

in Essen

Tanz - Logo

Noch im Saal, direkt nach der Vorstellung, erklärt sich ein Kollege «unfähig, auch nur zwei Zeilen zusammenzureimen». Mein lieber Schwan! Der Herr muss den Tod mit aller Macht verdrängen. Wann sonst sieht man in 60 Minuten neun Menschen auf einer Tanzbühne sterben? Das gesamte Personal! Das kann man tragisch finden, pathetisch, schablo­nen­haft. Es hängt auch davon ab, aus welcher Position man die Todgeweihten begleitet. Eine weitläufige Arena wie das Pariser Théâtre de la Ville bietet nicht die bes-ten Voraussetzungen.

Das Stück wurde auf das mittelgroße Studio in Montpellier zugeschnitten. Mathilde Monnier inszeniert wie immer Menschen im Alltag und räumt auf mit jeglichem Pathos. Wenn sie uns aber im Titel die vergilbten, ätherischen Szenen von Anna ­Paw­lowa oder Maja Plissezkaja in Erinnerung ruft, ist der Bruch umso krasser. Wer war eigentlich mutiger, sie oder Michail Fokin? Der Russe wollte vor etwas mehr als einem Jahrhundert formellen Zwängen der Institution entkommen. Heute stößt es niemanden mehr vor den Kopf, wenn Interpreten das Sterben improvisieren. Aber Monnier überlässt nichts dem Zufall und schafft strikte Strukturen, mit fließenden, aber präzisen Übergängen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz März 2010
Rubrik: Kalender, Seite 32
von Thomas Hahn

Vergriffen
Weitere Beiträge
Mein wunderbarer Waschsalon

Gustave Flaubert, 1851 von einer Orient­reise heimgekehrt, schwärmte von der arabischen Tänzerin und Kurtisane Kutchuk Hanem, die ihm so völlig eins erschien mit sich selbst wie eine Katze. Der französische Schriftsteller beschrieb passagenlang ihre willkürlich und animalisch wirkenden Bewegungen, die Grace Ellen Barkey von zwei Männern ­tanzen ließ, Claude Godin...

Sommerkurse

Das «Jacob’s Pillow Dance Festival» ermutigt auch Nichtamerikaner, am «Professional Advancement Program» für Ballett, Stepptanz, Contemporary Dance, Jazz/Musical, Tanztheater und Choreografie teilzunehmen. 14. Juni bis 31. August. jacobspillow.org

Das Sommerprogramm in Robert Wilsons Watermill Center für kreative Freigeister findet vom 12. Juli bis  15. August...

Nacho Duato: «Vielfältigkeit. Formen von Stille und Leere»

Das ist ein protestantischer Beginn: der Vorhang offen, die sparsam beleuchtete Bühne leer bis auf ein Objekt, das ein Notenpult sein könnte, tiefe Schwärze im Hintergrund, dazu die ersten Takte der Aria aus den «Goldberg-Variationen» von Johann Sebastian Bach. Ein Tänzer huscht herein, flext die Füße, zirkelt die Arme, andere folgen. Als seien sie seine...