Martin Schläpfer
Sie sind ein zeitgenössischer Ballettchoreograf. Ist das Ausbildungsniveau junger klassischer Tänzer für ihren Bedarf ausreichend? Grundsätzlich ist hier immer noch das sehr verhaftet, was wir «russisch» nennen: Zum Beispiel, immer so extrem auswärts zu stehen – das ist im Prinzip nur eine ungesunde Äußerlichkeit, die der Bewegung nichts bringt und den Tanz verfälscht. Man kann doch den Effekt der Auswärtsdrehung viel einfacher erzielen: wenn man beispielsweise den Wadenmuskel nach vorn dreht und sich vom Brustbein her hochzieht.
Das alles hat natürlich auch immer etwas mit dem Zentrum zu tun, das man haben muss. Wenn man aber immer zu stark ausdreht, gefährdet man dieses Zentrum. Dann ist man zu 99,9 Prozent hinter sich, d. h. nicht in der Achse vom Scheitel bis zum Steißbein. Und dann bricht alles nach hinten weg, besonders der Rücken. Knie, Bauch und Brust fallen dagegen nach vorn. Das zwanghafte Ausdrehen blockiert das Becken, die Bodenhaftung, die Kraft und die gesamte Körperstruktur, vor allem den Tanzduktus.
Heißt das, wenn die frischgebackenen Tänzer ans Theater kommen, müssen Sie als Choreograf erst mal eine zweite Ausbildung oder eine Umschulung leisten? Für jeden Tänzer, ...
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Denken in der Kunst hat keinen guten Ruf. Einerseits. Zu viel konzeptueller Tanz, zu kopfiges Theater, all das in-progress-Zeugs, zu wenig Schönheit, zu wenig Gefühl, zu wenig Fleisch und Blut. Andererseits: Denken in der Kunst steht hoch im Kurs. Kaum ein Theater, das sich nicht ein Lab gönnen würde, eine Akademie, ein educational oder research programme....
Am 27. Mai verstarb eine der letzten Zeitzeuginnen des deutschen Ausdruckstanzes. Sie wurde am «Choreografischen Institut» Rudolf von Labans zur Pädagogin ausgebildet. Ende der 1920er und Anfang der 30er Jahre arbeitete sie u. a. in den Berliner Bewegungschören Laban, beim Kunstverein in Libau (Lettland), in der Laban-Tanzgruppe von Annemarie Dunkel und Edgar...
Meg Stuart,
Sie werden bei den Salzburger Festspielen eine neue Arbeit mit dem Arbeitstitel «It’s Not Funny!» vorstellen. Worum soll es gehen? Um etwas, das wir gut kennen – um Momente, in denen Humor schmerzt und Situationen peinlich werden, weil man aus dem sozialen Code gerät. Es geht um Akzeptanz darum, wie wir für einander performen. Also für das Publikum und...
