Mario Schröder «Das Nibelungenlied»

Kiel

Tanz - Logo

Einen Komponistennamen sucht man auf dem Besetzungszettel vergebens. Anders als in Göteborg, wo Ulf Gadd 1983 seinen «Ring» vorstellte, anders als in Berlin, wo Maurice Béjart einen grandiosen «Ring um den Ring» als Vermächtnis hinterließ, anders als in Trier, wo sich zuletzt Birgit Scherzer unter dem Titel «Alles weiß ich: Alles» mit Ringmotiven beschäftigte, fußt das neueste Nibelungenballett nicht auf dem Mythos, wie ihn Richard Wagner im «Ring des Nibelungen» präsentiert.

Denn Mario Schröder greift zurück auf das mittelhochdeutsche «Nibelungenlied», das in Kiel nicht zu hören ist, um seinen konsequenten Verzicht auf Wagners Musikdrama zu rechtfertigen. Ohne Musik kommt aber sein Zwei-Stunden-Stück auch nicht aus. Von minimalistischem Jazz eines Nik Bärtsch über die «Alphabetisierung» einer Rede von George W. Bush durch Lenka Clayton bis hin zu Kompo­sitionen von John Zorn und Aram Cha­tschaturjans «Säbeltanz» in der Verballhornung der Leningrad Cowboys findet sich immer ein Grund, so richtig zu tanzen.
 

Getanzt wird viel im «Nibelungenlied», auch wenn zunächst noch mehr gesprochen wird. «Haben Sie sich schon mal in jemanden verliebt, den Sie gar nicht kannten?», fragt Nina ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2010
Rubrik: KALENDER, Seite 36
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Tanzforschung

gibt im epodium Verlag mit Nicole Haitzinger eine neue Zeitschrift heraus: «Tanz & Archiv: Forschungsreisen». Opulent von Barbara Wais gestaltet, arbeitet sich die Tanzwissenschaft an den Sammlungen der 1978 gestorbenen Kritikerin und Pädagogin Friderica Derra de Moroda ab, die ihre Privatsammlung der Universität Salzburg vermachte. «Biografik» heißt die jüngste...

Geschichten über die Geschichte

«Rote Schuhe für den Sterbenden Schwan». Was ist damit gemeint? Ralf Stabel, Leiter der Staatlichen Ballettschule Berlin, nennt es im Untertitel seines bei Henschel erschienenen Buches: eine Tanzgeschichte in Geschichten. Er suggeriert Unterhaltung, lebendige Vermittlung von trockener Historie. Anschaulich schreiben kann er. Bisweilen wird er sogar witzig, erhalten...

Ausstellungen

Horst Kløver

«Wenn du an etwas arbeitest – an irgendetwas –, dann willst du es verstehen. Du musst es sehen, aufnehmen und alles darüber lenen». Das war die Philosophie von «Papa Flash», dem Erfinder des Kamerablitzlichts, Harald E. Edgerton. Blitze als Stroboskope in Reihe zu schalten, um damit Tänzer zu fotografieren, das machte ­Gjon Mili in den Dreißigern in...