Mainz: Eun-me Ahn «North Korea Dance»

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Eun-me Ahn ist unverwechselbar: kurz geschorene Haare, dazu Outfits, bunt wie ein Osterei. Damit fällt das Enfant terrible der südkoreanischen Choreografen-Szene auch in Europa auf. Sie liebt es, gegen den Strom zu schwimmen. Was liegt da näher, als ein Stück über nordkoreanische Tänze zu machen? In ihrer Heimat riecht so etwas fast nach Hochverrat. Der Arbeitstitel lautete «The DMZ Project». Gemeint war die demilitarisierte Zone im Grenzland zwischen Nord- und Südkorea, seit 1957 neutrales Gebiet, auf dem sich immer wieder Delegationen aller Machtblöcke treffen.

«Schön, euch zu sehen», lautet denn auch der Text des Lieds, mit dem die Tänzer jetzt in «North Korea Dance» in vergoldeten nordkoreanischen Uniformen die Bühne okkupieren. Das choreografische Material hat Ahn im Internet recherchiert, kopiert und verfremdet: Gruppentänze und Militärparaden ebenso wie Uniformen, die eher an Michael Jackson erinnern als an ein Militärregime, das unlängst eine Hungersnot im eigenen Land bestätigen musste. 

Ahn rennt mit ihrem Stück offene Türen ein. Seit Januar 2018 herrscht Tauwetter im Kalten Korea-Krieg. Trotzdem bleibt Nordkorea für Bürger aus dem Süden hermetisch verschlossen. Ahn ...

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Tanz April 2019
Rubrik: Kritk, Seite 43
von Thomas Hahn

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