lüneburg: olaf schmidt «orestie»
Wer sein Kind ermordet, um es für das Kriegsgeschäft in einer Wette auf das Wetter zu opfern, wie es Agamemnon tat, 2500 Jahre alter Antiheld des Bestsellerautors Aischylos, der das Blut seiner Tochter Iphigenie gegen Nordwind tauschte, ist ein echter Idiot. Lüneburgs Tanzchef Olaf Schmidt besetzt ihn trotzdem mit einem Heldenkörper, Wallace Jones. Dessen Tod markiert den Anfang einer langen Fememord-Orgie, bis irgendwann der Sohn Orest sich nicht weiter rächen will und sein Schicksal den staatlichen Rechtsorganen überlässt.
So endet die antike Trilogie, punktgenau, mit dem Beginn der Athener Demokratie. Ab jetzt wird Recht gesprochen: und zwar, das ist der Witz, ausgerechnet durch die Rachegeister, die auch heute eine kanzlerkritische Volksmeinung vertreten. Diese volksverhetzenden Erinnyen, so Aischylos, sollen sich in Eumeniden, in Wohlmeinende, verwandeln. Das ist der wahre Fluch der Atriden: Wie kann man Volkes dumpfe Stimme ins Recht zurückholen?
In einem bloß zehnköpfigen Ensemble kriechen bis zu acht Erinnyen, jene Rachegeister des Volkes, wie Getier unter dem Tisch des Agamemnon hervor und stacheln als Schwarm oder wie ein Virus menschliche Rachegelüste an, indem sie die ...
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Tanz März 2016
Rubrik: Kalender, Seite 42
von Arnd Wesemann
Sieben Jahre ist «Hold Lightly» alt. Im Rahmen eines «Beethoven»-Abends des Kevin O’Day Ballett Mannheim entstanden, nahm die damalige Solistin des Stuttgarter Balletts das Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll zum Anlass, «Zäsuren und Neuanfängen» nachzuspüren wie auch der «Frage nach dem Weitergehen und Zurücklassen und dem, was ihm folgt». Bridget Breiner stand seinerzeit...
im april: william shakespeare
Egal, ob «Hamlet», «Othello» oder «Ein Sommernachtstraum»: Shakespeare hat auf der Ballettbühne immer Konjunktur. Umso verwunderlicher, dass sich zum 400. Todestag kein Choreograf von Rang mit dem künstlerischen Erbe des Swan of Avon im Uraufführungs-rahmen auseinandersetzt. Vorstellungen gibt es indes zuhauf, etwa beim Birmingham
Royal...
Der aktuelle Coup von Madeline Ritter, die den «Tanzfonds Erbe» verantwortet und nun die künstlerische Gesamtleitung eines weiteren Projekts innehat, basiert auf einer Idee ihrer Mitstreiterin Ricarda Herre. Das Unternehmen heißt Dance On – was für die Botschaft steht: «Tanz weiter, auch wenn du die vierzig überschritten hast.» Unter dem englischen Label startet...
