ludwigshafen on tour
Dunkelheit, dann eine Leinwand, darauf ein roter Punkt, pulsierend wie ein Herz. Plötzlich taucht Shantala Shivalingappa aus der Finsternis auf, eine zierliche, beinahe gotisch-sakrale Figur: «Es war einmal, bevor die Zeit Zeit war, da war alles nichts, und das alles, das nichts war, begann.» So hebt «AM I» an, die jüngste Produktion des australischen Choreografen Shaun Parker, dessen Company sich beim Wolfsburger «Movimentos»-Festival erstmals in Deutschland präsentierte.
Im Gepäck hatte sie die existentielle «ICH»-Befragung, die Bilderrätsel an Bilderrätsel reiht und dabei die Evolutionsgeschichte aufs Hinreißendste mit allen erdenklichen Schöpfungsmythen kreuzt. Bis Shivalingappas letzte Worte verklungen sind: «Alles ist eins, alles verbunden.»
Eine gute Stunde lang wandert das Publikum mit den acht Akteuren über die Kontinente von Anatomie, Genetik, Religion, Psychologie und Soziologie ohne es recht zu merken. Denn Parkers Inszenierung verwandelt abstrakte Zusammenhänge in ungemein sinnliche Allegorien. So erhellt nach Shivalingappas Auftakt ein Lichtblitz den Raum. Aus dem allmählich abflauenden Scheinwerferschock schälen sich vier schwarze Silhouetten, deren Armballett die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz November 2015
Rubrik: kalender und kritik, Seite 38
von Dorion Weickmann
In jedem größeren Ort mindestens eine kunsthistorisch bedeutsame Kirche, in jeder halbwegs traditionsbewussten Stadt ein eminentes Museum, und oft genug selbst in der kleinsten Kapelle am Wegesrand noch ein Fresko, das man gesehen haben muss: Italien ist ein Land der Kultur, eine Kulturmarke. Und trägt schwer daran. Seit über zwei Jahrzehnten ist klar, dass der...
Mit einem «Nussknacker» eine Karriere zu beenden, um wenige Monate später mit einem «Nussknacker» eine Karriere zu starten, das gibt selbst Jeroen Verbruggen zu denken. Er nennt das zufällige Zusammentreffen «symbolisch», und es bestärkt ihn in der Richtigkeit seiner Entscheidung. Eigentlich war er ja mit seinen 32 Jahren als Tänzer keineswegs am Ende. Vielmehr hat...
Rheinabwärts nähert sich Stephan Thoss seinem nächsten Direktorenposten, den er 2016 in Mannheim antritt. Nach einer Uraufführung in Basel studierte er zwei seiner Werke beim Ballet du Rhin ein, wo Tanzdirektor Ivan Cavallari in den zwei Jahren seines Wirkens die eher an Paris orientierte, akademisch-einheitliche Kompanie seines Vorgängers Bertrand d’At in eine...
