limen & dyad 1909
Wayne McGregor ist vieles: eloquent, hochintelligent, neugierig; er überschreitet gern die Grenze zwischen Kunst und Wissenschaft, ist ein guter Partner für seine unterschiedlichen Mitstreiter. Ein Theatermann ist er, aber choreografisches Genie und Vielseitigkeit fehlen ihm. Die Entwicklung von «Chroma» (2006) über «Infra» (2008) bis zu seinem jüngsten Werk «Limen» – alle für das Royal Ballet – zeigt gewisse choreografische Fortschritte. Nur ist Fortschritt eigentlich ein zu großes Wort.
Die Stücke sind alle vergleichbare Variationen über abstrakte, schwer fassbare Ideen und liefern sehr ähnliche Ergebnisse. McGregor diskutiert dabei gern die intellektuellen Fundamente seiner verschiedenen Arbeiten und beschwert sich darüber, dass die Leute erwarten würden, dass seine Stücke diese Grundgedanken auch illustrieren oder repräsentieren. Ist ja in Ordnung, dass er seine ursprünglichen Ideen ehrlich erläutert, aber dann überlässt er es den Stücken, für sich ganz allein zu sprechen.
Das Hauptproblem bei der Intellektualisierung der naturwissenschaftlichen oder philosophischen Standpunkte, die eine zeitgenössische Choreografie angeregt haben, ist der hohle Klang von solchen Ideen, wenn ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Beim 22. Int. Wettbewerb für Choreografen in Hannover nannten die drei Chinesinnen ihre minimalistische Arbeit noch «Ever More» und holten sich damit den 2. Preis. Ausgereift bis in die letzte Geste und zu Arvo Pärts «Pari Intervallo» getanzt, nennt sich das Trio von Juan Juan Sun, Di Sha Zhang und Xiao He Liu jetzt, ein Jahr später beim Wettbewerb «no ballet» in...
Zum Beispiel: «Accords». Das aktuelle Stück der belgischen Compagnie ZOO um den Schweizer Thomas Hauert ist musikalisch, intelligent, großzügig, witzig, spannend, kindlich verspielt, virtuos und manchmal gekonnt dilettantisch, das perlt und klumpt und schwärmt und singt, leicht wie ein Soufflé, dann expressionistisch, gleitet ins Lyrische, surft auf der Musik oder...
«Wenn Spitzenschuhe von Experten benutzt werden, sind sie ein Werkzeug des Ausdrucks», sagt William Forsythe. Sein Düsseldorfer Kollege Martin Schläpfer pflichtet ihm bei: «Der Gebrauch des Spitzenschuhs im Kunsttanz ist künstlerische Wahrheit – keine Wahl, sondern ein über Jahrhunderte gewachsenes Bedürfnis, sich so und nicht anders ausdrücken zu wollen....
