liam scarlett...
Liam Scarlett ist ein typisches Produkt des Royal Ballet. Er tritt gelassen auf, entspannt in Hemd und Jeans, aber immer mit der freundlichen Haltung eines sturen Einzelgängers. Einer, der weiß, wer er ist und was man von ihm erwarten kann: ein ebenso disziplinierter wie ambitionierter 25-jähriger Tänzer des Flaggschiffs unter den britischen Kompanien. Natürlich ist er absolut pünktlich bei unserem Treffen im Kuppelrestaurant des British Museum. Natürlich hört er offen, wachsam und sehr aufgeschlossen zu, und wenn er antwortet, schaut er einem in die Augen.
Nur unter dem Tisch, da tanzen seine Finger ihr eigenes Programm, spielen nervös und verraten Ungeduld oder den Wunsch, endlich abhauen und Interessanteres tun zu dürfen, als mit einem Journalisten dieses Frage-und-Antwort-Spiel zu betreiben.
Er vermittelt etwas von einem eiligen Luftgeist, der das Unlustige hinter sich bringen will. Und tatsächlich ist er auf dem Sprung: nach Taiwan mit seiner Kompanie. Denn die Sache mit Scarlett ist die: Obwohl er ein gut beschäftiger Tänzer ist und in nahezu jedem Stück eingesetzt wird, zählt er auch noch zu den besten Rennpferden in der Choreografenklasse von morgen. Im Januar erhielt er ...
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Tanz November 2011
Rubrik: menschen, Seite 24
von Mike Dixon
Dass Sie Tänzer waren, jahrelang an der Deutschen Staatsoper im damaligen Ostteil Berlins, ist bekannt. Sie waren so etwas wie ein Kinderstar. Auf eigenen Wunsch? Oder auf Druck der Eltern?
Weder noch. Die Zeiten waren damals anders und die Eltern froh, wenn sie ihre Kinder nicht auf der Straße wussten. Alles war zerbombt. Riesengroße Bunker standen überall: Das...
I.
Es ist 2011. Experten bezeichnen die Gegenwart als «Wissens- und Medienzeitalter». Menschen gehen trotz Cyberwelten in Tanz- und Theaterhäuser. Dafür berühren die Umstürze in Nordafrika den Westeuropäer nur bedingt. Berufsbezeichnungen wie «Schauspieler», «Tänzer» und «Kabarettist» existieren nach wie vor. Vom Ersten erwarten wir, dass er stimmlich, vom Zweiten,...
«Siehst du», sagt er, «daher kommt es, dass wir einander nie verstehen.» Was er deshalb auf Englisch sagt, weil er ihr Koreanisch nicht versteht. Und sie sein Französisch auch nicht. Sein Deutsch? Na ja. Er kann ihr auch nur schwer erklären, warum er sich in Berlin so viel fremder fühlt als sie. Wegen seiner spanischen Wurzeln? Hyun-Jung Wang, auch Honji genannt,...
