leipzig on tour
Ein Schelm, wer bei diesem Titel Böses denkt. Nein, Joshua Monten geht es tatsächlich um Hunde. Der sprachbegeisterte Schweizer mit dem ausgeprägten Faible für Andersartigkeit hat bereits vor zwei Jahren mit seiner Produktion «About Strange Lands and People» Fremdbegegnungen inszeniert und dazu die Gebärdensprache als Inspirationsquelle seiner Choreografie ins Spiel gebracht.
Artfremdes trifft auch in seiner jüngsten Kreation «Doggy Style» aufeinander.
Zu minimalistischen Klavierklängen, Samba-Rhythmen oder vor der Geräuschkulisse eines sommerlichen Parks entwickeln die vier jungen Darsteller – zwei Frauen und zwei Männer – aus behutsam wiederholten Gebärden in zunehmender Intensität die Bewegungssprache jener vierbeinigen Spezies, die seit jeher in einem ganz besonders engen Verhältnis zum Menschen steht. Ein Verhältnis, das Joshua Monten (der selbst übrigens kein Hundebesitzer ist) vor allem deshalb fasziniert, weil es nachhaltig, liebevoll, aber auch von essenzieller Ungleichheit bedingt ist.
Topdog, Underdog: Die Hand einer Darstellerin macht vor, was die übrigen Tänzer sodann mit dem ganzen Körper Gestalt werden lassen: auf Hierarchie und Dressur beruhende Interaktionen ...
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Tanz August-September 2015
Rubrik: kalender, Seite 44
von Marc Staudacher
Sechs Frauen lassen die Köpfe kreiseln. Sie pusten zart, küssen die Luft, wiegen sich breitbeinig im bisschen Wind, den sie machen. Die Rücken schwanken, die Arme rudern. Auf die Bühne gepflanzt, neigen sie sich wie Pflanzen, um bald festzustellen, dass sie doch nur Tänzerinnen sind. Also kläffen sie wie Hunde, sobald nur eine aus der Ordnung des Gemüsegartens...
Im Koordinatensystem des choreografischen Kulturbetriebs sind die Rollen klar verteilt. Kritiker verreißen Tanz, Essayisten beflügeln ihn. Und Choreografen wie Interpreten machen ihn. Eigentlich. Es gibt indes Ausnahmen wie Adam Linder. Denn einer wie der Berliner aus den USA ist in diesem Modell nicht vorgesehen. Der nämlich schnappt sich Versatzstücke aus...
Im Koreanischen hat «Bul-ssang» zwei Bedeutungen: Zum einen bezeichnet es die Statue Buddhas, zum anderen bedeutet es «bemitleidenswert». Selbst wer kein Buddhist ist, wird beim Anblick einer Buddha-Statue in einem Tempel eine gewisse Ehrfurcht empfinden. Sieht man die Statue jedoch in Ahn Aesoons Stück, dessen Titel mit der Doppeldeutigkeit des Wortes spielt,...
