leipzig: Mario Schröder «Chaplin»
Mario Schröder ist der neue Chef des Leipziger Balletts. Sein Einstand hätte besser nicht laufen können. Standing Ovations gab es für die Eröffnungspremiere «Chaplin» und einen Strauß Komplimente von keiner Geringeren als Geraldine Chaplin, die extra nach Leipzig gereist war, um die Hommage an ihren Vater in postumer Stellvertretung entgegenzunehmen. Womöglich war sie die Einzige, die auf Anhieb verstand, worum es ging.
Mein Nachbar vertiefte sich jedenfalls stückbegleitend ins Programmheft, was ja nicht gleich auf Begriffsstutzigkeit schließen lässt.
Wer wie Schröder mit den Mitteln des Tanzes eine Biografie erzählen will, muss wissen, warum und wie er das anstellt. Es hat seinen Grund, warum Ballettgranden selten ihre Künstlerkollegen oder Jugendhelden porträtieren. Eine Handvoll Ausnahmen, etwa Maurice Béjarts «Isadora» oder John Neumeiers «Nijinsky», bestätigt die Regel, dass packende Nahaufnahmen eher auf dem Terrain des Tanztheaters gedeihen, weil sie dort immer auch die Anatomie des Gesellschaftskörpers freilegen. Prototypisch stehen dafür Johann Kresniks Vivisektionen von «Ernst Jünger» bis «Ulrike Meinhof». Mario Schröder betrachtet Charlie Chaplin als Idol, das sich vor ...
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