Koitale Kutschenfahrt
Spät kommt sie, doch sie kommt: die Girlreihe, ohne die im Friedrichstadtpalast gar nichts geht. Bis zum Ritterschlag muss darauf Casanova warten und mit ihm ein Publikum, das von der neuen Revue Rasanz erwartet und einen Rhythmus, der dem Ballett in die Beine geht. Schließlich verspricht der Anfang ein etwas beschleunigtes Tempo, und der ICE einer nicht durchweg erkennbaren Rahmenhandlung rauscht denn auch ab vom Bahnhof Zoo in Richtung Bella Venezia, ohne dass nennenswerte Aufenthalte zu befürchten wären.
Allein, der erste Eindruck trügt, und bis der Abend (nach einem Buch von Jürgen Nass und Roland Welke) seinen ersten Höhepunkt erreicht, dauert es eine gute Weile. Dabei lässt der erklärte Verführer nichts unversucht, die Zuschauer zu animieren. Immer wieder schwärmt er ins Publikum aus. Da ein Handschlag. Dort ein Küsschen. Nach der ersten Rangelei à trois noch im Bett und einer koitalen Kutschenfahrt à la logue hat sich seine Erotik jedoch so verbraucht, dass sich die Verantwortlichen von vornherein einen Ersatz besorgt haben: Oleksandr Khmelnytskyy springt kraftvoll ein, falls Not am Mann ist und der alternde Casanova (Adrian Becker) einmal schlapp machen sollte.
Das ...
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Alfred Döblin schrieb dem Ballett in «Die Tänzerin und der Leib» (1910) eine brutale Deformation des Körpers und damit der Seele zu. Ernst Jünger feierte umgekehrt in «Über den Schmerz» (1934) die Zurichtung des Körpers als das Ziel jeder Seele. Und Rainer Maria Rilke betrachtete den Tanz als eine Verwandlung, in der das Sichtbare endlich unsichtbar und geistig...
