Körper-Archive

«Expo zéro»: Boris Charmatz gründet ein lebendes Tanzmuseum, damit wir Tanz besser denken können. Franz Anton Cramer war bei der Eröffnung.

Tanz - Logo

Man nehme die Metro bis zur Endstation, frage sich in einem Neubaugebiet durch, gelange so an einen Universitätscampus, überquere eine Durchgangsstraße, wandere an stillgelegten Fabrikhallen vorbei und stehe schließlich vor der «Garage». Diese abgelegene Außenspielstätte des Choreografischen Zentrums von Rennes, Hauptstadt der Bretagne, bietet bei aller Abgeschiedenheit enorm viel Platz für etwas völlig Neues: Das Zentrum soll ein «Tanzmuseum» werden.

Zur Eröffnung dienen die vier riesigen Studios, die Flure, der Vorplatz, der Lagerraum, das Foyer einem Ausstellungsprojekt, das sich selber als zeitgenössischer Tanz betrachtet. Eine Ausstellung als Tanz. 

 

Nicht umgekehrt: Man will den Tanz nicht im Museum ausstellen. Da wäre der Tanz denkbar schlecht «aufbewahrt». Das Museum soll auch nicht bloß Tanzort sein. Raphaëlle Delaunay, eine der beteiligten Künstlerinnen, macht von vornherein klar: «Ich will kein Museumsstück sein!» Wie ein Archiv gilt ein Museum als Ort der Rückschau, als Ort des Stillstands, des Monumentalen, des Überlebten. Der Tanz selber wäre schon vorbei. Trotzdem will man ihn bewahren. Aber wie?

 

Diese Frage steht am Anfang. Boris Charmatz ist der Direktor des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2009
Rubrik: Tanzgeschichten, Seite 14
von Franz Anton Cramer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gesprengte Gefühle

Es gibt Grenzen. Deshalb will man sie sprengen. Im Theatermonolog «Bombenfrau» von Ivana Sajko, Mitgründerin des kroatischen Tanz- und Theaterkollektivs BADco, feiert eine Selbstmordattentäterin ein Fest zu ihrem Ende. Die Autorin fragt, was sich regt in einem solchen Körper in den letzten zwölf Minuten, bevor die Bombe, die laut Sajko wie ein «Liebhaber» in jeder...

Neue Häuser

Neue Häuser 

wollen betanzt werden. Sasha Waltz ist berühmt dafür. Während ihres Stipendiums in der Villa Massimo in Rom sah sie die Baustelle der berühmten britischen Architektin Zaha Hadid. Sie schafft dort eine flexible Museumslandschaft: das Museo nazionale delle arti del XXI secolo, MAXXI (Foto), in der Via Guido Reni: ein laborartig konzipiertes Museum, das...

Tanzen im Flow des Films

Keine Logik, keine Ordnung, keine Hierarchie. So sieht María Ribot alias La Ribot ihr neues Werk, «Llámame mariachi». Mit der engen Verbindung von Tanz und Film will sie nichts weniger als eine neue Bühnensprache entwerfen. Das Resultat ist verblüffend. Zwar fällt der von den drei Frauen La Ribot, Marie-Caroline Hominal und Delphine Rosay getanzte erste Teil der...