kazuo ohno ist tot
Er war ein Philosoph als Tanzlehrer, der japanische Butoh-Künstler Kazuo Ohno – und eine der ältesten Bühnenpersönlichkeiten der Welt, einer, der mit jedem seiner charmanten Auftritte noch als 97-Jähriger den Körper an seine Grenzen führen konnte.
Besessen von einem eigensinnig eleganten und sehr einfachen Bewegungsstil, ging es Kazuo Ohno im Tanz um die schonungslose Suche nach persönlicher Wahrheit: sowohl bei seinen Improvisationen als auch in langen Gesprächen mit den Teilnehmern seiner in der ganzen Welt bekannten Workshops.
Unvergesslich bleiben seine Bühnenauftritte voll Spontaneität und Schönheit, voll Gratwanderungen und Humor. Auch wenn er zum Schluss zerbrechlich und auf den Rollstuhl angewiesen war: Er trat so lange öffentlich auf, wie es nur ging.
Ohno brauchte nie viel Platz, um ganze Universen herzustellen. Er erschuf sie noch im Sitzen. Nie schien er in einer bestimmten Zeit, an einen bestimmten Ort gebunden; Zeit und Ort schuf er selbst. Manche meinen, er sei schon hundertmal auf der Bühne gestorben, zusammen mit seiner Mutter, seiner spirituellen Mentorin La Argentina und mit all den zahllosen Geistern, die seinen Körper zu bevölkern schienen. Kaum ein ...
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