Kaiserslautern: James Sutherland «Othello»
Packend und dicht, im idealen Zusammenwirken von Choreografie und Musikauswahl und mit einem faszinierenden Hauptdarsteller adaptiert James Sutherland das Shakespeare-Drama. Es wird ein modernes Tanztheaterstück daraus, das sich mit filmischen Schnitten, gesprochenen Texten und abstrahierten Szenen so weit wie möglich vom braven Erzählballett entfernt, selbst wenn das manchmal auf Kosten der Nachvollziehbarkeit geht.
Schwarze Zacken ragen aus dem hohen, transparenten Wände-Geviert, das die Bühne zum Innenhof, zur Arena macht und erst ganz am Schluss des insgesamt schattigen Stücks hell aufleuchtet. Schon Claus Stumps Bühnenaufbau, bei dem das Orchester erhöht im Hintergrund sitzt, erinnert an John Neumeiers Hamburger Fassung des Stoffes, und auch hier wird das berühmte Taschentuch, an dem sich die Eifersuchtsintrige gegen Othello entzündet, von Leib zu Leib gewickelt. Aber Sutherland pflegt eine andere Bewegungssprache, deutet die fatalen Ereignisse in einem distanzierteren, oft nur minimal handlungstragenden Stil an. Sein eher zeitgenössisches Idiom enthält nur noch spärliche Reste von Ballett, die Arme sind in heftigem Einsatz, aber nie illustrierend. Tempo und Dynamik werden ...
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Tanz Juni 2019
Rubrik: Kritik, Seite 37
von Angela Reinhardt
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